Friedrich Wulf
Twitter Gezwitscher-Sammlung 2

Schätze, es wird Zeit, dass ich mir eine falsche Identität zulege, in der ich 70 bin, damit jeder denkt, für sein Alter…

Die Leute sind so rücksichtslos. Könntet ihr wohl mit dem Hupen aufhören, bis ich dies geschrieben habe?

Geschafft! Meine Pflanzen haben endlich ihre Erwartungen in den Griff bekommen.

Amazon wird immer schneller. DHL schellt, der Typ reicht mir das Paket und sagt: “Sie wollten das gerade bestellen.”

Seit zwei Tagen Ferien und schon habe ich vergessen, wie Schuhe funktionieren.

Curry, Senf und Ketchup

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Twitter Gezwitscher-Sammlung 1

Perfektes Wetter für meine Lieblingsbeschäftigung im Winter. Ihn zu verfluchen!


Leute, die nicht in Glashäusern wohnen, haben es besser. Sie können im Haus mit Steinen werfen, so viel sie wollen. Nichts normaler, als in Häusern Steine zu werfen.


Verlasse das Haus heute nicht, aber ich schaue mir ein Fußballspiel an, das draußen stattfindet. Vertraue der Kraft der kleinen Schritte.


Erschreckend! Habe heute zum ersten Mal auf ein Bild im Spiegel getippt, um es zu vergrößern. Ob ich wohl Hilfe benötige?


Hilfe! Benötige Hilfe! Gehe mit Freunden zum Essen. Kann mein iPhone nicht finden, worauf soll ich denn sonst starren?


Seit ich in einem Glashaus wohne, hasse ich die Krähenschwärme über dem Haus.

 

Habe mir für den Rest des Jahres fest vorgenommen, Ablenkungen zu reduzieren, damit ich mehr Zeit mit meinem iPhone verbringen kann. done


Ist mein langfristiges Ziel, die Welt zu verändern, habe beschlossen im Sommer auf möglichst viele Schmetterlinge zu treten.


Habe den ganzen Morgen über Dinge aufgeschoben, seit Stunden also extremes Multitasking, damit habe ich mir doch wohl ein Nickerchen verdient.


Tschuldigung, war zwei Stunden zu spät bei der Konferenz. Falscher Ehrgeiz, wollte Eingeschweißtes ohne Werkzeug öffnen, morgen Termin beim Zahnarzt.

 

Taten ohne Täter

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Damian - der vierte Mann

Aus dem Roman “Damian - der vierte Mann”.

Axel möchte eine Rolle beim Studententheater, meint aus ihm könne ein großer Schauspieler werden und hat einen Text zum Vortrag auswendig gelernt. Doch dann bekommt er vom Regisseur eine Gebrauchsanweisung in die Hand gedrückt, die er vortragen soll.

„So, und nun stellen sie sich vor“, sprach Overbeck, „sie würden Kunde geben von einer verlorenen Schlacht.“ „Verlorene Schlacht?“, fragte ich ungläubig, „den Text vortragen, wie Nachricht von verlorener Schlacht?“ „Bitte sehr, ja bitte!“ Ich habe den Text dann vorgelesen und hatte die Schlacht wohl auch verloren. „Und jetzt sind sie wütend. Stellen Sie sich was vor, Othello!“ Ich las den Text noch mal vor. „Wir machen noch einen Versuch. Gewieft, verschlagen, ausgekocht bitte!“ Ich las, fror und schwitzte. „Danke schön, danke sehr! Das reicht. Bitte sprechen Sie mir nach.“

Seine Stimme klang noch immer freundlich und geschäftsmäßig. „Zwischen zwei Schmidtschen Witzen zwitscherten zwei Schwyzer Zwetschgenschnäpse.“ „Wie bitte?“ „Er wiederholte.“ Ich versuchte es: „Zwischen zwei schmitzen Witzen zwitscherten Schwetzgenschnäpse.“ „Warten Sie einen Moment auf der Bühne.“ Der Spot ging aus, ich konnte wieder sehen. Sie hatten die Köpfe zusammengesteckt, zwinkernd und zwitschernd. „Es tut uns leid, Herr Woltershausen, aber ich fürchte, alle Rollen für Ihr Talent sind bereits besetzt. Haben Sie Dank für ihre Bemühungen. Nummer neunzehn bitte!“ Das war also das Ende meiner Karriere als Schauspieler.

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Damian - der vierte Mann

Aus dem Roman “Damian - der vierte Mann”.

Axel ist noch immer auf der Suche nach Damian, hat im Theater einen Aushang entdeckt, wo Leute zum Vorsprechen aufgefordert werden. Es trifft ihn wie ein Axthieb ins Kreuz: Das will ich und also träumt er vor sich hin. Wohl nur wirklich verständlich für Menschen, die die große Bedeutung Fassbinders für den deutschen Film kennen.

Gedacht, getan. Nicht ganz! Vor dem Erfolg kamen meine Tagträume - Hirngespinste. Nach einer kurzen Lernphase an einer unbedeutenden Bühne würde es mit mir rapide aufwärts gehen. Fassbinder kam aus Indien als ein Erleuchteter zurück, hatte aus dem verseuchten Leib die alte Seele herausmeditiert und was nicht raus wollte beim Jogging ausgeschwitzt, seine neue Seele war ganz anders: edel-nervös und quicklebendig heiter. Er werde jetzt Screwballkomödien inszenieren, so was habe es in Deutschland überhaupt noch nicht gegeben (Aspekte), im Stile Woody Allens, aber nicht so flach, viel, viel tiefer natürlich - deutscher. Lobhudeleien im Spiegel, ein komplettes ZEIT-Magazin nur Fassbinder, die FAZ raschelte emphatisch. Endlich hoher Humor in Deutschland! Nur der passende Komödiant wäre noch nicht entdeckt, alle Hauptdarsteller hätten leidlich passable Leistungen abgeliefert. Fassbinder würde mich sehen und von der Bühne weg engagieren. Die Entdeckung, ein Glück für den deutschen Film und die deutsche Talkshow, ein Komödiant und ein Intellektueller, welch eine Vervollkommnung der Lebensabsicht.

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Damian - der vierte Mann

Aus dem Roman “Damian - der vierte Mann”.

Axel ist auf der Suche nach Damian. Er sitzt zusammen mit seinen Studienfreunden in der Cafeteria.

Freitag. Wir saßen beim Kaffee in der Cafeteria. Am Abend sollte der Jazzkeller eröffnet werden. Ich war mir ganz eigentümlich sicher, Damian dort zu treffen, wenn nicht dort, so fragte ich mich, wo dann? Dann gib’s auf, ihn weiterhin zu suchen!

„Was ist Jazz für dich?“, fragte Gregor in die Runde. Fritz schoss gern sofort aus der Hüfte: „Tonkunst zur Förderung schwingender Entspanntheit.“ „Hört, hört“, riefen wir. „Walter?“ „Das kann man doch gar nicht so schnell sagen. Musik kann man doch nicht - ich kann das nicht so schnell auf den Begriff bringen, ich sage es euch heute Abend, wenn wir dort sind.“ Mir wurde warm, ich spürte ihre Augen. „Ja, was ist Jazz für mich? Würde ich Jazz mit der Literatur vergleichen, dann wäre Jazz so was wie ein Krimi von Dürrenmatt mit mysteriöser Spannung und überraschenden Wendungen. Nein, ich hab’s: die Suche zur Kunstform gesteigert. Und“, fragte ich, „und für dich Gregor?“ Fritz und Walter rekelten sich auf ihren Stühlen. „Ich will mal so sagen, Jazz ist ein swingender Dialog zwischen den Musikern. Ihr Motto: Lass uns versuchen, es auszuarbeiten. Jazz ist ein Sinnbild für demokratische Umgangskultur, die Musik der Demokratie.“

„Nun Walter“, fragte Georg im Jazzkeller, „nun rück mal damit raus, was ist Jazz für dich?“ „Gleich, gleich“, antwortete Walter und schnappte wie ein Fisch am Filterstück seiner Zigarette herum. Zierliche Falten kräuselten seine unterfütterten Wangen.

Kaum wurden die ersten Akkorde auf dem Klavier angeschlagen, da rief er: „Das ist für mich Jazz, hört ihr es? Es sind Klangeindrücke.“ Wir drehten die Augen zur Decke und waren geschlagen, weil wir spürten, dass wir mittags Nebel geworfen hatten. Damian war nicht dort, aber du Bernd.

 

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Damian - der vierte Mann

Aus dem Roman “Damian - der vierte Mann”.

Axel erzählt seinen Freunden in der Mensa, warum der am Vortag nicht in der Uni war. 

„Also muss ich den Schein bei Spillen im nächsten Jahr machen.” „Nein, brauchst du nicht“, sagte Gregor.

„Spillen lässt nicht mit sich reden, das weißt du doch, der macht keine Ausnahmen.“ „Das Seminar ist ausgefallen.“ Ausgefallen?“ „Ja, ausgefallen. Spillen kam nicht. Wir sind nach einer Viertelstunde gegangen. Nur die Protzies ist noch geblieben, in der Stille des leeren Raumes könnte sie konzentriert lesen. Du kennst sie ja. Spillen kam dann doch noch, zwanzig oder fünfundzwanzig Minuten zu spät. Ein Stau. Feuerwehr hatte Straße gesperrt, dadurch langer Stau. Hast noch mal Glück gehabt.“ „Das ist ja … Wo hat es gebrannt?“ „Das Treibhaus ist ausgebrannt.“ „Wann?“ „In der Nacht von vorgestern auf gestern.“ „Aber da war ich doch noch bis, bis - ich war dort mit Damian.“

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Damian - der vierte Mann

Aus dem Roman “Damian - der vierte Mann”.

Axel setzt sich zu seinen Freunden in der Mensa an den Tisch. Am Vortag war er nicht dort, weil sein Hirn nach der durchzechten Nacht abgestürzt war.

„Wie siehst du denn aus?“, fragte Walter von schräg gegenüber.

„Beim bartlosen Adorno, und ich hatte gerade den Gespensterglauben überwunden“, griente Gregor.

„Was habt ihr denn“, brummte Fritz, „sieht doch gut aus. Wie der futternde Beweis für ein Leben nach dem Tode.“

„Axel, Mensch! - wie siehst du denn aus. Was ist los?“

„Wie ein Waschlappen mit Relief?“, fragte ich.

„Ja, nun was war los, wo warst du gestern?“

„Was isst du denn da?“, fragte Fritz.

„Kein Wunder, dass er aussieht, als hätte er Tipp-Ex getrunken“, sagte Gregor.

Er stupste mit seiner Gabel eine der verbrutzelten Kroketten an, wie man ein erlegtes Raubtier anstößt, um zu sehen, ob noch Leben drin steckt.

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Damian - der vierte Mann

Aus dem Roman “Damian - der vierte Mann”.

Nach der mit Damian durchzechten Nacht, hatte Axel einen Hirnabsturz, den kompletten Ausfall eines Tages. Hier ist er einen Tag später auf der Treppe zur Essensausgabe der Mensa.

Es gab Kroketten und Schnitzel. Stufe um Stufe kam ich dem Ausgabekarussell näher. Weit und breit kein Damian zu erblicken. Wie war ich überhaupt darauf gekommen, ihn in der Mensa zu treffen, ich hatte ihn dort noch nie gesehen. Aber die anderen würden schon da sein. Es ging wieder zwei Stufen hinauf. Nach dem gestrigen Hirnausfall fühlte ich mich jetzt passabel wie nach einer durchzechten Nacht mit einem angemessenen Kater, bei dem man sich mit Recht sagen kann, heute ist nichts drin, heute darfst du mal so richtig herumgammeln, schließlich hast du dir den Kater redlich ertrunken, und warum sollte man da nicht einmal alle Fünfe gerade sein lassen dürfen? Wieder ein paar Stufen höher. Schnitzel mit Kroketten waren beliebt. Fürs Tagebuch einprägen. Vor mir ein weiblicher Nervenberg in ständiger planloser Bewegung. Fächelt sich mit einem Flugblatt Frischluft unters Kinn, trommelt mit Fingernägeln auf das Geländerrohr, mustert selbstkritisch die lackierten Nägel, blickt auf die Uhr, entfernt Scheinfusseln von den Jeans, dann Hilfe suchender Griff nach dem Geländer. Süßlich strenges Parfüm, schwerer Pullover mit eingewirkten indianischen Adlermotiven, Geruch nach durchgeschwitzter Wolle. Schnitzel mit Kroketten waren beliebt. Immerhin ich stand inzwischen auf der zweitobersten Stufe.

Wenn du oben am Karussell angekommen warst, gab es eine schlimmstmögliche Wendung: Die letzten beiden Schälchen mit Kroketten landeten auf dem Tablett deiner Vorderfrau. Und was machte der Nervenberg vor mir mit den beiden letzten Schalen? Sie schüttete den Inhalt der einen zu den Kroketten in der anderen. Mein Glück, mein Glück! Die leere stellte sie zurück ins Rondell. Liebe Frau mit indianischen Adlermotiven, weißt du denn nicht, dass das Zeug fett macht. Was blieb mir übrig, ich musste akzeptieren, dass sie wie die lieben Indianer im Einklang mit der Natur, im Einklang mit ihrer Kultur lebte.

Bereits vier- oder fünfmal hatte sich ein Schälchen im Kreis gedreht, das verschmäht wurde: Zwei von den drei Kroketten waren schwarzbraun angekohlt, nur eine sah appetitlich aus. Ich nahm die Schale.

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Aus dem Roman “Damian - der vierte Mann”.

Axel wacht nach der ersten mit Damian durchzechten Nacht auf.

Der Wecker zeigt: halb fünf. Um halb fünf ist es noch dunkel. Der Wecker tickt. Ich zwinge mich, ich zwinge mich, die Jalousien bis zur Hälfte hochzuziehen. Im November ist es um halb fünf in der Nacht stockdunkel, nicht dämmrig. Der Gedanke und Gänsehaut sind eines: Nachmittag. Es ist schon wieder Nachmittag.

Ich versuchte wieder einzuschlafen, spürte jetzt die Blase. Ich verfluchte mich, fast aus Prinzip keine Tabletten zu nehmen. Neun Pferde für zwei Kopfschmerz- oder Schlaftabletten. Nur noch Schlafen, bis du wieder in diesem Kopf und diesem Körper leben möchtest. Schlafen, schlafen nur nicht träumen, nur keine engelköpfigen Junkies auf Mietskasernen, die Nadeln der Spritzen in den milchweißen Augen, aus denen der Saft gepresst wird, der mich umgehauen hat. Oh Schlaf!

Der Strahl kratzt durch die Harnröhre und fällt goldgelb. War nichts dran auszusetzen. Leichtes Nachbrennen und etwas schärfer im Geruch. Das Gesicht im Spiegel weicher und viel breiter, auch flacher: ein Waschlappen mit Relief.

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Damian - der vierte Mann

Axel hat Damian kennengelernt, mit ihm gezecht und fährt mit dem Fahrrad durch die Stadt nach Hause.

Leichter superfeiner Nieselregen schleierte durch die Straßen der Stadt. Gelbliches Licht rieselte von den Laternen. Sonst autolose Dunkelheit. Ich schloss das Fahrrad los, entfernte die Plastiktüte über dem Sattel und mit Schwung warf ich das Bein über die Stange. Was war mit der Straße los? Sie wackelte! Nach zwanzig Metern konnte ich nichts mehr durch die Brille sehen. Ich faltete sie zusammen und steckte sie in die Tasche. Was war das? Welcher Eigenwille! Nun war das Fahrrad bockig geworden und warf sich vor mir auf den Boden. Endlich hatte ich es doch wieder auf die Beine gestellt und warf mich auf den Sattel. 

Viel wärmer war es geworden als auf der Hinfahrt und die Straßen hatte Kurven bekommen: viele, viele Biegungen, konnte einen ganz besoffen machen - das Gekurve.

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