Friedrich Wulf

„Das Hirn wird so, wie man es nutzt.“ (Gerald Hüther, Hirnforscher)

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Curry, Senf und Ketchup

Heute in eigener Sache. Ich meine damit noch mehr in eigener Sache als sonst.

 „Taten ohne Täter“, „Senf, Curry und Ketchup“, „Die letzte Lektion“ - es gibt noch zu viele Leser, die keinen der Krimis gelesen haben.

 Auf xtme wird mein Krimi „Curry, Senf und Ketchup“ vorgestellt. 

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Ein Mörder geht um in Paderborn. Mordet er um des Mordens willen? Willkürlich, weil er einen Rekord aufstellen will? Was treibt den Mörder an? Es scheint, als ob die Opfer wahllos abgeschlachtet würden. Auf den ersten Blick gibt es nichts, was sie miteinander verbinden könnte. Also gibt es auch keine plausiblen Motive für die Morde.

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Sprüche

Haben Filmgangster noch nie einen Gangsterfilm gesehen? Wann machen sie endlich Bomben mit gleichfarbigen Drähten?

Gute Nachricht. 12000 Schritte zeigt meine App heute. Schlechte Nachricht: Die meisten davon waren an einem All You Can Eat Buffet.

Taten ohne Täter

Theo Kremer unterrichtet Englisch an einer Schule, an der erwachsene Schüler ihr Abitur nachholen. Theo gehört zum üblichen Zoo von Lehrern und ist gesegnet mit einem robusten Ego. Doch dann widerfahren ihm Dinge, die er nicht erklären kann.

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Raumkunst mit Onyxträne (letzter Teil)

Raumkunst mit Onyxträne (letzter Teil einer kurzen Geschichte)

Eine Woche später wurde ich gegen vier in der Frühe wachgeklingelt. Fäuste hämmerten gegen die Eingangstür. Zwei Polizisten in Jeans standen grinsend auf meiner Willkommens-Matte.
„Sie ziehen sich besser was an“, sagte der mit breitem Kopf.
„Dies ist ein Durchsuchungsbefehl“, sagte der leicht nach vorn gebeugte Winzling.
„Weshalb?“, fragte ich.
„Sie sind gesehen worden, als Sie den Tatort verlassen haben. Wir haben einen Zeugen.“ Der Breitköpfige rollte auf seine Zehenspitzen.
„Ich verstehe.“ Ich zitterte. Es war kalt bei geöffneter Tür. „Bitte, kommen Sie herein!“
Sie machten sich an die Arbeit, während ich in die Hose sprang und mich auf eine Kiste im Flur setzte. Der Gedanke ans Gefängnis kam von allein und beim Anzünden der Zigarette die Frage, wie es wäre dort alt zu werden.
„Hallo, bitte hier unterschreiben!“
Ich sprang auf, hatte den Kleinen nicht kommen gehört, ließ die Zigarette fallen, während er sich über mich beugte und mir ein Blatt und einen Kuli in die Hände drückte. Sein Gesicht war verschwitzt und schwarz vor Ärger. Ich unterschrieb, sie gingen.
Ich brauchte ein paar Atemzüge, bevor mir klar wurde, was das bedeutete. Sie hatten nicht gefunden, wonach sie suchten. Zwei routinierte Polizeibeamte hatten jeden Zentimeter der Wohnung durchsucht, zum Überlaufen voll mit Beweisstücken, aber nichts gefunden.
Er war verschwunden. Ich blickte mich um und verstand, warum die Polizisten den Raum nicht gefunden hatten, den ich vom Kiesbuddler geholt hatte. Sie hatten ihn nicht gefunden, weil er nicht mehr da war. Ich war beraubt worden.
Als ich wieder in dem riesigen Raum mit seiner absurden Träne und seinen extravaganten Fenstern stand, kehrte mein Ärger zurück, von einem Schreck begleitet. Ich hatte bei meinen ersten Besuchen nicht den gesamten Raum mitgenommen, sondern nur, was ich gebrauchen und tragen konnte. Zurückgekehrt war ich in der Absicht, meinen zusammengeschrumpften Vorrat wieder aufzufüllen. Was ich nicht erwartet hatte, was dies.
Des Kiesgrubenbesitzers Wohnung enthielt genauso viel Raum wie zuvor. Ich starrte die Onyxträne an, die massiv und unbewegt auf ihrer Stelle hockte und augenblicklich durchrieselte mich die Erkenntnis meiner kolossalen Bedeutungslosigkeit. Was meine Schultern noch gerade hatten tragen können, so viel Raum hatte ich aus dem Haus geschleppt. Und nun? Nicht einmal eine Delle hatte ich gemacht im Reichtum dieses Onyxfreundes. Hatten meine Besuche diesem minimalistischen Kiesgrubenbesitzer auch nur Unannehmlichkeiten bereitet? Nicht wahrscheinlich! Vermutlich hatte er einen Anruf gemacht und der neue Raum wurde in einer Stunde geliefert. Für diese Sorte spuckten die Versicherungen das Verlangte klaglos aus.
Wenn nicht … Konnte es sein, war es wirklich möglich, dass dies der gleiche Raum war, genau der gleiche Raum? Als sie mich einmal zwischen ihren Zähnen hatte, wollte diese Idee mich nicht mehr loslassen. Konnte der Kiesgrubenheini den Raum von mir zurückgestohlen oder jemanden angeheuert haben, der den Job für ihn erledigte? Nicht wahrscheinlich, aber unbestreitbar plausibel. Und wozu brauchte der eingebildete Sack den Raum überhaupt, er benutzte doch nicht einmal ein Viertel davon. Ganz ehrlich gesagt, dieser letzte Gedanke, mit dem ich lauthals die kompakte Träne beeindrucken wollte, gab mir den Rest.
Früh am nächsten Morgen, nach einer durchwälzten Nacht mietete ich einen geräumigen Transporter und fuhr zum Haus des Kiesschürfers. Ich brauchte den ganzen Tag und all meine Kräfte und mehr Genialität, als ich zu besitzen glaubte. Zugleich ruinierte ich für immer meinen über Jahrzehnte hochgezüchteten Einbrecherinstinkt. Aber als die Sonne sank und die Straßen sich füllten, war ich fertig. Eine poplige Befriedigung, könnte man einwenden, aber etwas Besseres war mir nicht eingefallen und mein Werk befriedigte mich ganz und gar.
Ich konnte dem Kerl den Raum nicht nehmen, das hatte ich jetzt verstanden, konnte ihn nicht besitzen oder doch nur für einen Moment und ihm konnte er nicht vorenthalten werden oder doch nur für den Moment, bis er seinen Reichtum spielen ließ und den Raum ersetzte. Aber wenn ich ihm den Raum schon nicht wegnehmen konnte, konnte ich ihn zumindest vollstopfen.
Als ich mir endlich die Hände rieb, war der Raum des Grubenbesitzers so unsichtbar wie seine modischen Dielen und seine geschmackvoll leeren Wände und seine albern hohen Decken. Von oben bis unten und von Seite zu Seite gab es keinen Zentimeter des abscheulich schönen Raumes, der nicht besetzt war von Hightech-Camcordern, Staubsaugern, anderer Leute unschätzbaren Erbstücken, Sportuhren und Porzellanmodellen deutscher Schäferhunde. Alles voll, bis auf ein paar freie Meter. Ein einziger Pfad führte von seiner Eingangstür quer durchs Wohnzimmer bis zu seiner Onyx-bekloppten-Träne. Hin war die minimalistische Message.
Ich kannte ihn inzwischen, kannte ihn wie mich selbst, natürlich nicht persönlich, aber genau. Mir war klar, was ich seinem Raum zugefügt hatte, würde ihn für den Minimalisten unmöglich machen. Glücklich, oder doch irgendwo in dieser Gefühlsgegend ging ich heim. Leise knirschte der Schlüssel im Schloss und leise glucksend fragte ich mich, welche Versicherungspolice, selbst für einen geschätzten Klienten, diese Schadensart abdecken könnte.
Ich trat in den Flur meiner Wohnung und konnte nicht glauben, was ich sah. War dies ein grausamer Streich? Woher war das alles gekommen? Sämtliche Räume waren bis zu den Decken vollgestopft mit Raum.

Curry, Senf und Ketchup - Friedrich Wulf

Kommissar Max Berger muss einen ersten Mord lösen, zu dem es viele Zeugen, aber weder Spuren noch Motive gibt. Prof. Liedvogel ist während einer Vorlesung erschossen worden. Der zweite Mord ist grässlicher und führt Berger in die Skinhead-Szene.

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Raumkunst mit Onyxträne (zweiter Teil)

Raumkunst mit Onyxträne (zweiter Teil einer kurzen Geschichte)

Aber ich konnte nicht. Schließlich war ich ein Einbrecher, der Dinge nahm, aber nicht zurückließ. Nur, dass dieses Mal nichts zu …
Doch es gab etwas. Die Idee kam aus dem Nichts, nicht ganz, sondern der Blitz war da, als ich den Spruch las, der sich durch ein weißes Band in der Onyxträne schlängelte: „Wenn ein Kopf und eine Skulptur zusammenstoßen, und es klingt hohl, ist es dann allemal die Skulptur?“ Alles war mit einem Schlag sonnenklar. Diese Wohnung war nicht leer, der kunstsinnige Kiesgrubenbesitzer wollte nur, dass man das meinte. Er hatte den Raum so eingerichtet, dass es so schien, als wäre er leer, war er aber nicht. Er war angefüllt mit dem, was ich über alles in der Welt benötigte, keine Uhren von Lange und Söhne oder Camcorder von Sony. Davon hatte ich mehr als genug. Was ich aber nicht besaß, war Raum.
Diese Wohnung war randvoll mit Raum. Quadratmeter über Quadratmeter aufgeschichteter Raum. Und das hätte ich fast übersehen, in meinem Ärger hätte ich beinahe die Pointe zu dem minimalistischen Witz geliefert. Beinahe, aber nicht ganz.
Ich blickte verzückt umher und ergötzte mich an der Schönheit meines Fangs, nicht nur wegen der Menge, sondern wegen seiner sauberen in der Sonne funkelnden Frische. Schließlich war es das Eigentum eines Mannes von Reichtum und Geschmack, worauf es schließlich ankam. All dieser exquisit gefügte Raum, der sich an die wenigen Gegenstände kuschelte, vom bangen Tischchen in der Ecke bis zum Mineralwasser im Kühlschränkchen, war von einem Kunstkenner gekauft worden. Und eines habe ich gelernt, seit ich alt genug war, mich durch ein Badezimmerfenster zu winden, dass alles, was von einem reichen Ganoven gekauft, von einem armen Ganoven geklaut werden konnte.
Leise pfeifend und von Ohr zu Ohr lächelnd stopfte ich Raum in meinen Seesack. An den nächsten Tagen hatte ich alle Hände voll zu tun.
Mein Raumproblem zu lösen, erwies sich als eine unendlich schwierige und frustrierende Angelegenheit. Zunächst entpackte ich den Raum des Kiesgrubenbesitzers um ihn bei mir zu installieren, was natürlich bedeutete, dass ich die Kisten und Kartons in meiner Wohnung umräumen musste. Nach ein paar Tagen wurde mir klar, dass dieses Gerücke und Geschiebe ewig, wenn nicht länger dauern würde. Zähneknirschend beschloss ich also, mich von meinem Plunder zu trennen. Schließlich aber saß der Raum des Kiesgrubenbesitzers wie reingegossen in meiner Wohnung.
Ich schenkte mir einen Cognac ein und betrachtete meine Arbeit mit Wohlgefallen. Es war völlig unmöglich zu sagen, wo sein eleganter, sauberer Raum endete und mein trister Alltagsraum begann.
Ich lächelte darüber. Vielleicht war der minimalistische Kiesgrubenbesitzer übers Ohr gehauen worden, meinte, er hätte den letzten Raum-Schrei erworben, hatte aber in Wirklichkeit das gewöhnliche Zeug bekommen. Wie alle anderen, die ihr Leben lang damit auskommen müssen. Mir war das schnuppe, ich wollte seinen Raum nicht wegen des Verkaufswertes, sondern wegen der Nützlichkeit. In dieser Hinsicht war ich mehr als glücklich. Die Wände, der Boden, die Decke atmeten leicht und frei vor lauter Raum, der ohne Anstrengung den restlichen Krimskrams schluckte und nach mehr verlangte. Dem Verlangen kam ich freudig nach. Die nächsten 48 Stunden waren die schwungvollsten in meinem Dasein als Einbrecher.
Eine Woche später wurde ich gegen vier in der Frühe wachgeklingelt. Fäuste hämmerten gegen die Eingangstür. Zwei Polizisten in Jeans standen grinsend auf meiner Willkommens-Matte.
„Sie ziehen sich besser was an“, sagte der mit breitem Kopf.
„Dies ist ein Durchsuchungsbefehl“, sagte der leicht nach vorn gebeugte Winzling.
„Weshalb?“, fragte ich.
„Sie sind gesehen worden, als Sie den Tatort verlassen haben. Wir haben einen Zeugen.“ Der Breitköpfige rollte auf seine Zehenspitzen.
„Ich verstehe.“ Ich zitterte. Es war kalt bei geöffneter Tür. „Bitte, kommen Sie herein!“

Fortsetzung folgt

Die letzte Lektion

Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden.

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Raumkunst mit Onyxträne (erster Teil einer kurzen Geschichte)

Raumkunst mit Onyxträne (erster Teil einer kurzen Geschichte)

Kommen Sie nur herein! Nur keine Scheu! Schauen Sie sich um in meiner kleinen Wohnung. Richtig geraten, ich bin ein preisgekrönter Einbrecher. Und welcher Eindruck drängt sich Ihnen auf? Doch wohl einen Künstler in seinem Metier anzutreffen, denn der Raum fließt über von Gegenständen. Nicht nur ist jeder Quadratmeter des Bodens von meinen Mitbringseln bedeckt, nein, sogar mein Balkon ist komplett vollgepfropft mit Kartons, antiken Uhren und Hightech-Schnickschnack. Alles in Öltuch eingeschlagen und mit Gummibändern gegen die Angriffe des Wetters gesichert.
Ich fand Einbrechen immer so einfach, müssen Sie wissen. Ohne prahlen zu wollen, aber ich bin nichts weniger als ein Genie auf meinem Gebiet. Und so musste der Zeitpunkt kommen, dass es in der Wohnung keinen Raum mehr gab. Keinen Platz mehr für das winzigste neue Stück.
Dreimal, fünfmal, blickte ich über meine Schulter zurück, aber den entzückenden Siebdruck „Bluecat“ von Herman musste ich hängen lassen. Schweren Herzens! Einfach kein Platz. Wenn ich nun des Nachts in die schlaflose Dunkelheit starre, dann löst sich das grinsende Katzengesicht aus dem leuchtenden Blau, und ich frage mich allen Ernstes, ob ich nicht Platz schaffen soll. Einen Picasso raus und einen Herman rein. Aber noch einmal dasselbe Objekt heimzusuchen, widerspräche meinem professionellen Ethos. Ich musste Platz machen.
Eines Nachmittags, an einem Mittwoch, besuchte ich eine Luxuswohnung in der Nähe der Fischteiche. Auf den ersten Blick wusste ich, dass ich einen Fehler begangen hatte. Das falsche Haus. Mir war versichert worden, dass die Wohnung einem kunstkundigen Kiesgrubenbesitzer gehöre, der im Übrigen in einer Stunde mehr Geld mache, als die meisten Menschen in einem Jahr ausgaben.
Doch da stand ich Narr in einem enormen Raum, fast leer bis auf die nervösen Staubpartikel im Sonnenlicht. Möbliert war das Zimmer mit drei Bodenkissen und einem ängstlichen Tischchen in einer Ecke. Es gab keinen Teppich, keine Vorhänge, keine Stereoanlage. Nicht einmal einen Fernseher gab es, nach dem normale Leute ihre Möbel ausrichten. 
Ein flüchtiger Gang durch die anderen Räume offenbarte das gleiche deprimierende Fehlen von Dingen. Im Schlafzimmer lag ein aufgerollter Futon. Um den Platz in einem Kühlschränkchen in der Küche stritten sich eine Flasche Mineralwasser, eine Flasche Champagner und ein Karton Orangensaft. Der Champagner hatte vermutlich die Hälfte des Sozialprodukts eines mittleren afrikanischen Staates gekostet, aber mal unter uns, du brichst doch nicht am strahlenden Nachmittag in eine Luxusherberge für eine Flasche Sprudelwein.
Es war schlichtweg ärgerlich, offenbar hatte der Bursche etwas gegen Einbrecher.
Der Hauptraum, ihn Wohn-Zimmer zu nennen, wäre albern gewesen. Er wurde von einem Kunstwerk dominiert. Ich hatte dem Ding keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, ist schließlich absurd in meinem Beruf sich mit Objekten zu beschäftigen, die nicht angehoben werden können. Und das war absolut sicher kein Ding, das geschultert werden konnte. Es hatte die Größe eines Bettes und war sicherlich so schwer wie ein Elefant. Selbst wenn ich’s dort rausbekommen hätte, mein Balkon war zu klein oder wäre abgebrochen. Aus Onyx dachte ich und gab dem tränenförmigen Objekt einen geistesabwesenden Klaps, als mir aufging, was hier los war.
Ich blickte mich noch einmal gründlich im Raum um und dieses Mal bemerkte ich, was es war. Ganz bestimmt keine Kuschelhöhle, sondern eine Lifestyle-Message. Dieser Kiesgrubenkrösus war ein Minimalist. Ein Raum ganz nackt außer den nötigsten splitternackten Dingen, ja, Dinge so nackt, sie hätten wegen öffentlichen Ärgernisses angeklagt werden müssen. Und in dem nackten Raum nur ein simples Kunstwerk, das vermutlich so viel gekostet hatte wie die gesamte Wohnung. Ich hätte es sofort sehen müssen, aber bei all dem blendenden Licht im Raum.
Dieser Kiesmacher gab eine Erklärung ab: „Ich habe wenig, aber alles von großem Wert, warum sollte ich mich darum scheren, Dinge von geringerem Wert zu besitzen?“ Und grinsend fügte er hinzu: „Bitte sehr, raub mich doch aus, genieße den Orangensaft, du Arsch!“
Ich war so angewidert, für einen Moment überlegte ich sogar, dem Fußboden etwas Abscheuliches anzutun. Oder die Bodenkissen aus ihrer künstlichen Ruhe zu bringen, das ängstliche Tischchen aus der Ecke zu zerren, um es an der Träne zu zerschlagen, das würde seine minimalistische Symmetrie durcheinanderbringen.
Aber ich konnte nicht. Schließlich war ich ein Einbrecher, der Dinge nahm, aber nicht zurückließ. Nur, dass dieses Mal nichts zu …
Doch es gab etwas.

Fortsetzung folgt

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Taten ohne Täter

Theo Kremer unterrichtet Englisch an einer Schule, an der erwachsene Schüler ihr Abitur nachholen. Theo gehört zum üblichen Zoo von Lehrern und ist gesegnet mit einem robusten Ego. Doch dann widerfahren ihm Dinge, die er nicht erklären kann.

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Das glaubende Hirn

Das glaubende Hirn


Hirn öffnender Artikel von Matt Ridley über ein Beispiel für den Willen zum Glauben.
Scherzbolde verfassen irgendeinen Unsinn, der von einigen Zeitgenossen so begierig geglaubt wird. Sie können vom Glauben nicht lassen, selbst wenn der Urheber des Blödsinns sagt, dass er nur Spaß gemacht habe.

Für dieses erstaunliche Phänomen gibt Matt Ridley ein paar Beispiele in seinem Artikel.

Auskunft darüber, woher der strenge Wille zum Glauben von Unsinn kommt, findet man im neuen Buch „The Believing Brain“ von Michael Shermer finden.


Nacktes Entsetzen

Thomas’ Frau verlässt ihn im Streit, um einen Dokumentarfilm im Rotlichtmilieu zu drehen. Ein neues Aktmodell posiert für Thomas. Aus diesem Arbeitsverhältnis entwickelt sich für Thomas ein Albtraum aus Misstrauen, Verdächtigungen und Paranoia.

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Großartig!

George Carlin macht sich in herrlich rhythmisierter Sprache über Tendenzen der Zeit lustig.
Großartig dieser Worttanz aus Gegensätzen und Gemeinplätzen.
Macht Spaß anzuhören.

Curry, Senf und Ketchup - Friedrich Wulf

Kommissar Max Berger muss einen ersten Mord lösen, zu dem es viele Zeugen, aber weder Spuren noch Motive gibt. Prof. Liedvogel ist während einer Vorlesung erschossen worden. Der zweite Mord ist grässlicher und führt Berger in die Skinhead-Szene.

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Nützliche Viren (dritter Teil)


(dritter und letzter Teil einer kurzen Geschichte)

Bei der Firma Schuffel gibt es heute Morgen niemanden, der Sarah an der Rezeption ein Lächeln schenkt. Und niemand sorgt dafür, dass Kaffee fertig ist, wenn Mark in die Firma kommt oder dass die Post für ihn bereitliegt, geordnet vom Dringenden und Drängenden bis zum Unwichtigen. Die Junkpost bereits im Papierkorb.
Ja, als Angela ankommt, 20 Minuten zu spät mit schmutzigen Absätzen, zieht sie als erstes ihre Lippen nach und ihren Rock einen Handbreit höher. Die Busfahrt ist Gift für ihre natürliche Schönheit. So ist es kein wirkliches Wunder, dass es schon halb zehn ist, bevor jemand bemerkt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Mark kommt gerade die Stufen zu seinem Büro hinauf, als Angela ihren Computer anwirft. Er begrüßt Angela und fragt etwas, das sie nicht mitbekommt, denn sie ist abgelenkt: Der Monitor bleibt blank.
Und das bleibt auch so, nachdem sie den Computer zuerst runter- und dann wieder hinaufgefahren hat. Marks Rechner funktioniert auch nicht, Sandras an der Rezeption verweigert ebenfalls den Dienst, genauso wie der von Friedhelm im Lager. So um 11.30 Uhr ist klar, dass das gesamte Computernetz ausgefallen ist. Natürlich könnte die Produktion weiterlaufen, da jede gefertigte Einheit jedoch vom System erfasst werden muss, stehen die Arbeiter an den Maschinen herum und palavern über die Bundesligaergebnisse.
Dass die Klimaanlage aus Solidarität mit den Computern streikt oder einfach nur durch Zufall nicht funktioniert, ist besonders fatal, gerade jetzt, wo kühle Luft in Marks Büro so dringend nötig wäre. Und wie sein Kopf glüht, nachdem er sämtliche Knöpfe und Schalter gedrückt hat. Alles, was per Hand gemacht wurde oder als Papier in Ordnern landete, wird nach den Neuerungen vom Hightech-System kontrolliert. Marks ganzem Stolz.
Zur Mittagszeit ruft Mark die Abteilungsleiter ins Büro und schickt die Mitarbeiter für den Rest des Tages nach Hause. Die letzten zwei Stunden hat er versucht den Computerexperten zu erreichen, der die verfluchte Chose angerichtet hat. Aber der ist offenbar im Urlaub. Es wird jemanden geben, der sich damit auskennt. Mir nichts dir nichts wird das System wieder laufen. Morgen früh ist alles wieder in bester Ordnung, dann taugt die Geschichte nur noch als Anekdote. Mark ist ganz sicher. Aber erst mal sollen die Leute den halben Tag freinehmen, damit sie morgen mit besonderem Elan wieder an die Arbeit gehen, um den Produktionsausfall von heute auszugleichen.
Am späten Nachmittag, um sechs Uhr um präzise zu sein, gibt Mark auf. Kurzfristig sei da gar nichts zu machen. Er hat nicht mitgezählt, würde die Worte aber kein weiteres Mal mehr ertragen können, ohne auf die Palme zu gehen. Also knirscht er mit den Zähnen, besinnt sich und muss sich eingestehen, dass es nur eine Person gibt, die mehr von der Firma weiß als jede andere. Er ruft Maria an. Aber Marias Telefon wird nicht abgehoben, in der Dunkelheit ihrer Wohnung schellt und schellt es, bis die letzte Spinne sich die Ohren zuhält. Niemand hat am Morgen die Vorhänge zurückgezogen, niemand hat den Briefkasten geleert, denn Maria wird nie wieder frühmorgens bei irgendeiner Arbeit erscheinen.

Auf einer kleinen sonnigen Insel in einem blauen Ozean ganz weit weg, da reicht ein junger Mann einer gut erhaltenen älteren Frau einen knallbunten Cocktail mit Schirmchen. Maria genießt die Aufmerksamkeiten ihres jungen Freundes.
Ach ja, sie hätte den Job bis zu ihrem Sechzigsten ganz gern behalten, und ja, sie war wirklich niedergeschlagen, so schmählich entlassen zu werden ohne Anerkennung und gebührenden Respekt. Und natürlich auch wegen der Abfindung, die Herr Schuffel ihr versprochen hatte.
Aber sie war sicherlich nicht zu den Computerkursen gegangen, um Mark doch noch umzustimmen. Solch ein Versuch wäre völlig sinnlos gewesen, das wusste sie sehr wohl. Die Kurse hatte sie besucht, um herauszufinden, wie sie Mark am zielgenausten treffen konnte, wenn sie weg war. Maria hatte immer gehofft, sofort aufbrechen zu können, wenn sie sechzig geworden war. Das Ersparte abheben, die vom alten Herrn Schuffel versprochene Abfindung dazutun und nichts wie weg. Den Sonnenschein genießen, den es da draußen in Hülle und Fülle gab, schließlich war irgendwo immer Frühling auf diesem schönen Erdenball. Jetzt ist sie nur gezwungen worden, ein bisschen früher in die Welt zu ziehen, das ist schon alles.
Außerdem gab es da eine Kleinigkeit, über die sie sich keine Illusionen machte. Wenn das neue System einmal lief und jemand anderes Zugriff auf all die alten Ordner und Dokumente hatte, dann würde dieser jemand bald herausfinden, dass sie über die letzten zwanzig Jahre einen gewissen finanziellen Anreiz für sich abgezweigt hatte. Wenn sie allerdings in der Lage wäre, das neue System zu verstehen und zu bedienen, würde sie ihre Spuren löschen und vielleicht noch ein kleines Extra als Bonus mitnehmen können. Natürlich ist sie immer eine Modellangestellte gewesen, denn wie sonst hätte sie vermeiden können, dass Kollegen auf Ideen kamen? Gefährliche Ideen. Herr Schuffel war immer ein guter Chef gewesen und Maria hatte nicht einmal die Nase gerümpft, dass Herr Schuffel ein Liebesleben neben seinem Leben hatte. Menschen mussten sich die Liebe holen, wo sie nur konnten, war ihr Motto. Ganz anders als sein Sohn war der Alte ein Gentleman, aber auch ein bisschen ein Idiot.
Maria lehnt sich zurück auf ihrer Sonnenliege, nippt am kunterbunten Cocktail, zupft ihren lichtblauen Badeanzug zurecht, der ihre Bräune betonen wird und freut sich auf den Virus, der sich nächste Woche aktivieren wird. Durch süße Rache wird ihr süßes Leben noch süßer in der drauffolgenden Woche und der Woche danach und … Sie schätzt, dass es einige Monate dauern wird, bis sie all die versteckten Viren entdeckt und eliminiert haben werden. Schließlich war ihr Computerlehrer ein Experte und Maria hatte ein natürliches Talent, sich das Notwendige anzueignen. Und der junge Mann, der das System installierte, hat ihr gezeigt, was sie tun musste, um es zu ihrem besten Nutzen zu gebrauchen, geradeso wie er jetzt neben ihr sitzt und genau weiß, was zu tun ist zu ihrem besten Nutzen.

Die letzte Lektion

Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden.

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Nützliche Viren

(zweiter Teil einer kurzen Geschichte)

Viele ihrer Kollegen sind bestürzt darüber, wie Maria von Mark behandelt wird, aber was sollen sie machen? Der Junior will Innovationen und keiner ihrer Kollegen möchte riskieren, Maria zu folgen auf ihrem Weg in die Arbeitslosigkeit. Das Grollen hört nur, wer es hören will und das Geflüster kann ohnehin nur von übersensiblen Ohren vernommen werden. Sicher, immer wieder schauen Mitarbeiter oben bei Maria vorbei mit einer Tasse Instantkaffee, Milch und einem Stückchen Zucker. „Ich dachte, vielleicht hätten Sie Lust drauf.“ Das war aber auch schon alles.
Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Maria alles versucht. In der kurzen Zeit, die ihr bleibt, besucht sie nicht nur einen, sondern drei Computerkurse. Ihr Lehrer meint sogar, sie habe eine natürliche Begabung im Umgang mit Bits und Bytes. Und für den jungen Mann, den Mark angeheuert hat, um das neue Computersystem einzurichten, macht sie sich geradezu unersetzlich. Selbst die Mittagspause verbringt Maria mit dem jungen Kerl, ja, akzeptiert sogar seine Einladung und trinkt das neumodische Kaffeezeug, ganz Schaum kaum Kaffee. Sie gibt sich alle Mühe und lernt so viel sie nur kann, bevor er mit der Installation zu Ende ist. Dann - einen Monat vor dem Ablauf der Kündigungsfrist - wagt sie sich in Marks Büro, um ihn zu fragen, ob er die Kündigung noch einmal überdenken würde. Mark hat die alten Ordner ins Archiv bringen lassen, 50 Jahre Firmengeschichte. Alles Aktuelle und Wichtige ist jetzt auf einer Festplatte gespeichert.
„Nein, meine Liebe, schauen Sie, wir müssen mit der Zeit gehen. Ich weiß, was ich will. Okay?“ Niemand nennt Maria Balzer „meine Liebe“.
Auf ihrer Abschiedsfeier spricht Maria Balzer ein paar höfliche Worte. Sie ist dankbar. Silvia aus der Kantine weint. Friedhelm, der vier Jahre länger als Maria in der Firma ist, schüttelt seinen Kopf. Angela, die hübsche neue Sekretärin, die Maria für Mark abgerichtet hat, bricht in Gelächter aus und klatscht begeistert, an der Stelle, wo Maria den alten Chef halbtot über dem Schreitisch liegend findet. Mark kann nicht dabei sein, Familienverpflichtungen. Es gibt Kartoffelsalat und Würstchen aus der Kantine und eine Flasche Champagner von den Kolleginnen. Friedhelm überreicht ihr einen Kosmetikkoffer aus echtem Leder. Maria hat immer davon gesprochen, wenn sie die Firma verlasse, werde sie sich wirkliche Ferien gönnen, irgendwas Exotisches. Friedhelm spricht für alle, wenn er ihr einen wohlverdienten Ruhestand wünscht und ihr Fehlen sozusagen schon jetzt gespürt werde. Angela verpasst mal wieder eine Chance ihren Mund zu halten, als sie bemerkt, sie könne nicht sehen, welchen Nutzen der Kosmetikkoffer Maria bringen könne.
Am Montagmorgen gehen alle zur Arbeit außer Maria. Sie quält sich nicht um sechs Uhr fünfundvierzig aus dem Bett, sie macht kein Teewasser heiß, während sie den Nachrichten lauscht, sie duscht nicht zum Morgenmagazin und verlässt das Haus nicht kurz vor dem „Motto zum Tage“. Sie rennt auch nicht zur Bushaltestelle in vernünftigen Pumps und elegantem, aber nicht zu auffälligem Frühjahrsmantel, die Handtasche fest an die Hüfte gedrückt.

Bei der Firma Schuffel gibt es heute Morgen niemanden, der Sarah an der Rezeption ein Lächeln schenkt. Und niemand sorgt dafür, dass Kaffee fertig ist, wenn Mark in die Firma kommt oder dass die Post für ihn bereitliegt, geordnet vom Dringenden und Drängenden bis zum Unwichtigen. Die Junkpost bereits im Papierkorb.
Ja, als Angela ankommt, 20 Minuten zu spät mit schmutzigen Absätzen, zieht sie als erstes ihre Lippen nach und ihren Rock einen Handbreit höher. Die Busfahrt ist Gift für ihre natürliche Schönheit. So ist es kein wirkliches Wunder, dass es schon halb zehn ist, bevor jemand bemerkt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Mark kommt gerade die Stufen zu seinem Büro hinauf, als Angela ihren Computer anwirft. Er begrüßt Angela und fragt etwas, das sie nicht mitbekommt, denn sie ist abgelenkt: Der Monitor bleibt blank.


Taten ohne Täter

Theo Kremer unterrichtet Englisch an einer Schule, an der erwachsene Schüler ihr Abitur nachholen. Theo gehört zum üblichen Zoo von Lehrern und ist gesegnet mit einem robusten Ego. Doch dann widerfahren ihm Dinge, die er nicht erklären kann.

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Nützliche Viren

Heute gibt es den ersten Teil einer Geschichte, die todtraurig hätte enden können.

Nützliche Viren (erster Teil einer kurzen Geschichte)

Maria Balzer hat niemals versucht, sich jünger zu machen. Auch ihr Gang verrät das Gewicht der Jahre auf ihren Schultern. Sie ist achtundfünfzig und ihr Haar ist grau wie dunkler Stahl, aber ihre Augen blitzen und funkeln.
Seit dreißig Jahren arbeitet sie für die Firma Schuffel GmbH. Sie begann in der Poststelle und arbeitete sich hoch, es war keine Leiter mit vielen Sprossen, die sie erklimmen konnte. So ziemlich auf den Tag vor 20 Jahren wurde sie die rechte Hand von Werner Schuffel, dem Firmengründer. Herr Schuffel nennt Maria beim Vornamen, für sie dagegen war er immer nur Herr Schuffel und das wird auch in Zukunft so bleiben.
Mit 60 wird Maria Balzer in Rente gehen, sie hat etwas zur Seite gelegt und außerdem gibt es da noch die Kleinigkeit, die Herr Schuffel stets untertreibend versprochen hat. Schließlich sorgt sie seit 20 Jahren dafür, dass ihr Chef niemals den Geburtstag seiner Frau vergessen hat, nie die Tennismatches seines Sohnes und auch nicht das Parfüm für seine Geliebte. Maria ist all das, was ein Chef sich als Sekretärin wünschen kann, wie auch Herr Schuffel all das ist, was eine Sekretärin sich als Chef wünschen kann. Sie sind sehr glücklich zusammen.
Maria hat keine eigene Familie, hat auch nie das Bedürfnis danach gespürt. Die Kollegen nehmen an, sie wäre daran einfach nicht interessiert. Maria ist nicht der Typ, der nach Feierabend noch mit in die Kneipe zieht, ganz sicher nicht, seit sie oben arbeitet. Und wo sonst, wenn nicht am Freitagabend bei einer Midlife-Disco kann man jemanden kennenlernen? Wie dem auch sei, sie sieht nicht verdrießlich aus. Maria ist sicherlich hart im Nehmen, kann aber auch Lachen bei einer Tasse Instantkaffee mit Milch und einem Stückchen Zucker. Dieses neumodische Zeug kann sie jedoch nicht leiden, alles Schaum und künstlicher Geschmack. Die jungen Frauen sind ganz verrückt danach.
Sie liest die Zeitung und weiß zu unterscheiden, was ihr im Fernsehen gefällt und was Firlefanz ist. Maria mag das sein, was in früheren Zeiten alte Jungfer hieß, aber darüber ist sie keineswegs bitter geworden. Sie ist halt mit der Arbeit verheiratet und gibt es nicht unzählige Männer in der gleichen Situation? Sie hat sich oft gefragt, ob sie mit deren Leben tauschen wollte. Sie war gern allein.
Maria geht nach der Arbeit zurück in ihre ruhige Wohnung, sieht die Post durch, bezahlt ihre Rechnungen immer rechtzeitig und guckt dann Fernsehen, bis es Zeit wird, sich in die Federn zu kuscheln. Ab und zu bekommt sie Besuch nach dem Abendessen oder sie geht ins Theater, selten ins Kino. Zu viel Knistern und Husten im Kino, auch im Theater, aber nicht so schlimm. Sie hört sich die Spätnachrichten an, bevor sie in den Schlaf hinüber gleitet. Maria interessiert sich für die Welt und doch lebt sie irgendwie außerhalb der allgemeinen Betriebsamkeit. Sie ist damit zufrieden.
Dann findet Maria Herrn Schuffel über dem Schreitisch liegend. Sein Kopf ruht auf der rechten Wange, als ob er den Schreibtisch abhorchen wollte, aber aus seinem offenen Mund hängen Speichelfäden. Sie ist entsetzt und todtraurig, als er wegen der Krankheit seinen Abschied aus der Firma nehmen muss. Und als sein ältester Sohn die Geschäfte übernimmt, wird sie entlassen. Herr Schuffel hat sich vollkommen auf Maria verlassen, wusste, dass er ihr alles, auch die intimsten Einzelheiten seines Ehe- und Nebenlebens anvertrauen konnte. Alle Facetten seines Geschäftes lagen bei ihr in soliden Händen.
Mark Schuffel kennt Maria nur als graue, ältliche Jungfer, gestrig und weltfremd. Anders als sein Vater vertraut Mark nur sich selbst und dem Computersystem, das er im Laufe der nächsten drei Monate installiert. Drei Monate hat auch Maria noch, bevor ihre Kündigung wirksam wird. Herr Schuffel ist nicht glücklich über seinen Sohn, aber er ist auch nicht gesund und sollte sich besser um seine eigenen Angelegenheiten kümmern.
(Fortsetzung folgt)

Nacktes Entsetzen

Thomas’ Frau verlässt ihn im Streit, um einen Dokumentarfilm im Rotlichtmilieu zu drehen. Ein neues Aktmodell posiert für Thomas. Aus diesem Arbeitsverhältnis entwickelt sich für Thomas ein Albtraum aus Misstrauen, Verdächtigungen und Paranoia.

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