Friedrich Wulf

„Das Hirn wird so, wie man es nutzt.“ (Gerald Hüther, Hirnforscher)

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Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 13)

Droste: Glauben Sie, dass er tot ist, Frau Schwanenfeder?

Schwanenfeder: Sehr wahrscheinlich. Er war ja nicht nur Poet, Dramatiker, Romancier, Philosoph, Kritiker und Wissenschaftler, sondern er war auch Optiker, Baumchirurg, Skilehrer und der bedeutendste Bauchredner seiner Generation. Und damit habe ich erst ein Achtel seines Könnens aufgezählt, weniger bekannt ist, dass er auch ein gefürchteter Schütze war, öhm ist.

Droste: (traurig) Ich verstehe.

Schwanenfeder: Und bei der kurzen Entfernung konnte er …

(Die Tür geht auf. Ein Arzt stürzt herein)

Doktor: Entschuldigen Sie, aber ich hörte einen Pistolenschuss, kann ich helfen?

Schwanenfeder: Können Sie? Ja, bitte, da liegt er, Doktor …?

Doktor: Dr. Benn. Facharzt für Geschlechtskrankheiten und Teilnehmer am Kongress gegenüber im Saal. Lassen Sie mich sehen.

(Eine Pause, während er Goethe untersucht)

Dr. Benn: Er ist tot, Kugel durchs Herz, armer Teufel.

(v. Droste-Hülshoff schluchzt, Grimm seufzt traurig)

Selbstmord, richtig? Pistole noch in der Hand und mokantes Lächeln in den Mundwinkeln, war er ein Romantiker?

Schwanenfeder: Nein, Johann Wolfgang von Goethe, der Klassiker.

Dr. Benn: Ach was Klassiker, war doch eigentlich ein Romantiker mit seinem mittelalterlichen Stammelsurium, ist doch alles Flickwerk. Der Shakespeare war 200 Jahre vor ihm moderner als der rückwärts gewandte Goethe. Man glaubt es doch nicht, welch ein banales Potpourrie er anrührt in seiner Alchimistenbude. Ein kleines Mädchen vom Lande wird verführt und unglücklich gemacht und ein großer Gelehrter aller vier Fakultäten ist der Übeltäter. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugegangen sein? Nein, gewiss nicht! Ohne die Beihilfe des leibhaftigen Teufels hätte es der große Gelehrte nicht zustande gebracht. - Sollte dies wirklich der größte deutsche tragische Gedanke sein, wie man unter Deutschen sagen hört?

Nietzsche: (grummelnd) Der Geniale wird beklaut, ein weiteres Beispiel für die Richtigkeit meines Gedankens der ewigen Wiederkehr des Immergleichen.

Dr. Benn: (Schaut sich interessiert um) Das ist ein Autorenworkshop, stimmt’s? 

Schwanenfeder: Ja, stimmt, Herr Doktor. Sind Sie ein …?

Dr. Benn: Jaja, ich dilettiere. Gedichte, Essays, Dialoge, so Kleinigkeiten.

Schwanenfeder: Ich verstehe. Keine große Nachfrage für diese Dinge heutzutage. Aber kommen Sie doch nächste Woche hinzu. Wir haben einen freien Platz im Moment - und bringen Sie Beispiele aus ihrem Schaffen mit. Vielleicht können wir Ihre Bandbreite erweitern.

Dr. Benn: Danke, gern. Und nun entschuldigen Sie mich bitte, ich muss die Behörden benachrichtigen.

(Dr. Benn geht und schließt die Tür)

Schwanenfeder: Und ich freue auf unser Treffen in der nächsten Woche. (Pause) Herr Heine?

Heine: (Schläft und schnarcht)

Schwanenfeder: Frau v. Droste-Hülshoff?

Droste: (schluchzt)

Schwanenfeder: Herr Nietzsche?

Nietzsche: (leise grummelnd) Der Irrsinn ist bei einzelnen etwas Seltenes - aber bei Parteien und Schreibgruppen die Regel.

Schwanenfeder: (nachdrücklich) Herr Nietzsche?

Nietzsche: Ja, aber Ja mein großes jasagendes Ja!

Schwanenfeder: Herr Grimm?

Grimm: Ja natürlich Frau Schwanenfeder. Ich habe da eine Idee für eine neue Geschichte, eine Anregung des guten Mannes da. Über seinen Vergleich, ich sei wie eine mächtige Eiche, mächtige Eiche. Die Situation: ein Schneider, Ausflug mit der ganzen Familie, Paulchen wirft einen Ball hoch, der in einer Eiche verschwindet, die gerade vorbeikommt, gerade vorbeikommt und stehenbleibt. Die Kinder warten, doch der Ball fällt nicht herunter. Der Schneider klettert hinauf, die Kinder stehen um die Eiche herum und warten und die Bienen machen summ, summ, summ. Paulchen sagt schließlich: „Papa kommt nicht zurück.“ Und dann … Und dann wird Paulchen von einer Biene gestochen. (Er seufzt vor Vergnügen) Ich schreib es auf und bring es nächste Woche mit. Und ich freue mich schon auf Ihre Einschätzung, meine Freunde, solch ein wertvoller Prozess.

(Heine stimmt zu, indem er lauter schnarcht, v. Droste-Hülshoff schluchzt ein paar Mal und Nietzsche grummelt etwas Unverständliches)

Schwanenfeder: Gehe ich also recht in der Annahme, Herr Grimm, dass der Workshop für Sie eine bereichernde Erfahrung war?

Grimm: (mit großem Behagen) Aber sicher, Frau Schwanenfeder. Ganz wunderbar. Unvergesslich. Inspirierend. Großartig. (Pause) Unschlagbar!

Ende

Curry, Senf und Ketchup (Krimi)

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Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 12)

Goethe: Warum ich das literarische Leben hinter mir lasse? Frau Schwanenfeder, ich habe ein Werk gefunden, ein gigantisches, einzigartiges Meisterwerk, die sublime Komposition eines Übergenies, dem das Wasser ich nicht reichen kann, dessen Geist in Gletscherhöhen über uns allen schwebt.

Nietzsche: Wer das ist, ist ja wohl klar.

Goethe: Ich sehe nun ein, dass ich nach Erfolgen gierte wie mein Faust, doch was zu erreichen ich suchte, ich muss es mir eingestehen, es liegt jenseits meiner Möglichkeiten. Mit einem Wort, meine Gratulation, ja meine Huldigung, geht an Herrn Grimm, der mit seiner Geschichtensammlung den krummen Kreis des menschlich Möglichen durchmessen hat. Sie kommen auf zarten Kinderfüßen daher und so schlicht schauen sie aus die Grimmschen Geschichtchen, aber, meine Damen, meine Herren, haben Sie ihre Eleganz bemerkt und ihre Subtilität und Wahrheit, ja, ihr Verständnis des ewigen menschlichen Widerspruchs, sodass eine blaue Welle das Herz anhebt voller Verwunderung über die Weisheiten des Verfassers?

Grimm: Sehr freundlich von Ihnen Herr Goethe. Aber Ihr Faust ist eine charmante Affäre. Stunde um Stunde um Stunde pures Vergnügen.

Goethe: Bitte, Herr Grimm. Ich bin Ihres Lobes nicht würdig. Doch mich wundert sie nicht, ihre Hochherzigkeit. In jedem Wort, in allen ihren Zeilen ist sie zu finden, in den Worten und Taten „Rotkäppchens“ oder des „Däumlings“ und auch im Themenreichtum und der Architektur ihrer Erzählungen spiegeln sich Edelmut und Grandeur. Ihre Geschichten sind eine Geschichte, geben wir es zu; es ist die Geschichte des Menschen als Untergang und Übergang.

Nietzsche: Wie bitte!? Sie Ideendieb!

Grimm: Aber Herr Goethe.

Goethe: Ein Übermensch steht unter uns, meine Fr…

Nietzsche: Gebt mir die Peitsche, ein Königreich für eine Peitsche!

Goethe: Ja, meine Freunde, unser guter Grimm ist ein Mensch wie eine mächtige Eiche und wir schrumpeln in ihrem Schatten dahin wie Blumen für einen Tag - wie Ihre „Loreley“ Herr Heine, ihre „Judenbuche“ Frau v. Droste-Hülshoff, Ihr „Zarathustra“ Herr Nietzsche und mein eigner abgeschmackter „Faust“. Aus Respekt vor der Kunst und ihr zuliebe will ich sie nicht weiter diskreditieren und schlage vor, dass auch Sie Ihr Kunstkönnen einer ehrlichen Überprüfung unterziehen.

Grimm: Aber mein lieber Freund!

Goethe: (traurig, aber resolut) Nein, Herr Grimm, nein! (er seufzt ganz erbärmlich)

(Pause)

Schwanenfeder: (verblüfft von Goethes Worten) Nun, Herr Goethe vielen Dank. Und doch, ich meine, es gibt keinen Grund für Sie - für niemanden unter Ihnen - Ihr Schreiben aufzugeben. (mit Enthusiasmus) Nein, im Gegenteil, Sie müssen fortfahren wie nie zuvor. In der nächsten Woche, wenn Sie zum Workshop zurückkehren, haben Sie Herr Heine Ihr Gedicht überarbeitet, Sie Ihre Novelle Frau v. Droste-Hülshoff und Herr Nietzsche Sie Ihren Zarathustra. Und zwar im Lichte dessen, was Sie gelernt haben, wir alle hier heute gelernt haben. Doch Sie, Herr Goethe, da Sie offenbar entschlossen sind an Ihrem Faust nicht weiterzumachen, bitte ich Ihre Phantasie in eine gänzlich andere Richtung zu schicken. Ich habe mir Notizen gemacht. (Rascheln von Papier

…über eine ganz neue Idee für Sie - ein Buch, Herr Goethe, ein Selbsthilfe-Handbuch.

Goethe: Ja?

Schwanenfeder: Ja! Eine Anleitung zum Aufbau von Selbstvertrauen im Leben, prall gefüllt mit Rat und Ermutigung und Inspirationsenergie, damit die Leser ihre Zweifel und Bangigkeiten überwinden, auch ihre düsteren Zukunftsvisionen. Stattdessen sollen sie groß träumen und sich Ziele setzen und die sollen sie übererreichen.

Nietzsche: (grummelnd) Mh, mh.

Schwanenfeder: Ich verspreche Ihnen, dass solch ein Projekt nicht nur anderen Nutzen und Gewinn bringen wird, auch Ihnen Herr Goethe, auch Ihnen. (Feierlich) Sie könnten es einfach „Menschlich Allzumenschlich“ nennen.

Nietzsche: (grummelnd) Ein Buch für schwächliche Geister.

(Bumm! Ein Pistolenschuss. Goethe fällt auf den Boden)

Schwanenfeder: Herr Goethe!

Droste: (mit sich überschlagender Stimme) Herr Goethe! Herr Goethe!

Grimm: Hat sich erschossen. Oh, mein lieber Freund.

Fortsetzung folgt

Die letzte Lektion (Krimi)

Lehrer werden in die ewigen Ferien geschickt.

Ein Krimi mit Humor. Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden. Und wer hätte nicht einen Pauker im Keller seiner grausamsten Fantasien?

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Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 11)

Grimm: (fährt ruhig und unbeirrt fort) Immer wenn Ihr Zarathustra zu seinen Predigten ansetzt, haben wir, meine liebe Frau und ich, uns vor Lachen aufgebäumt, vor Lachen geprustet - wie übrigens auch die Kleinen, Fin Alexander und Lena Miriam. Selbst Baby Ben Elton gurgelte vor Vergnügen, strampelte mit den Beinchen in einem Anfall von Übermut über Ihren Übermenschen. Eine glückliche Familienszene, es hätte Ihr Herz gerührt, Herz gerührt. Ja, Sie haben eine einzigartige Gabe, Herr Nietzsche.

Nietzsche: Und das mir! Mir das! (Er knurrt vor Wut, dann vor Schmerz) Mein Kopf, ah, mein Kopf. (Stöhnend, Nietzsche bricht zusammen)

Schwanenfeder: Er ist ohnmächtig. Herr Nietzsche! Herr Nietzsche! (Nach einigen Sekunden, kommt Nietzsche wieder zu sich) Er lebt wieder, Gott sei Dank!

Nietzsche: (Knurrend) Wo ist das Schwein? Was ist passiert?

Schwanenfeder: Sie, sind ohnmächtig geworden. Geht’s wieder, Herr Nietzsche?

Nietzsche: Gut, ja gut. Niemals besser. (düster, argwöhnisch) Was ist passiert, während ich, mh, nicht da war? (an v. Droste-Hülshoff gerichtet) Warst du mir untreu?

Droste: (überrascht) Was?

Nietzsche: Ich seh’ es dir an, die kalte Geilheit in deinen Augen. Du hast es mit Grimm getrieben, stimmts?

Grimm: (unaufgeregt, ruhig) Frau v. Droste-Hülshoff war ganz Dame, ganz Dame, während der gesamten Zeit Ihrer Ohnmacht, mein Herr.

Droste: Danke, Herr Grimm. (bestimmt) Herr Nietzsche, ich verkünde hiermit meine Entlobung. Wir sind, Herr Nietzsche, geschiedene Leute.

Nietzsche: Das ist unwürdig, das mir. Was mich nicht umbringt, macht mich größer. (Er grummelt kaum verständlich) Es gab Ewigkeiten, in denen ihr nicht wart; wenn es wieder mit euch vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. (Pause)

Schwanenfeder: (so heiter, wie es die Umstände erlauben) Nun, ich denke wir sollten voraneilen. So wenig Zeit. Herr Goethe, lassen Sie uns über ihren Faust sprechen.

Goethe: Nein!

Schwanenfeder: (gequält) Nein?

Goethe: (leichter, aber deutlicher hessischer Akzent) Nein, ich möchte nicht darüber schwadronieren, Frau Schwanenfeder. Faust gibt es nicht mehr. Ich habe das Manuskript verbrannt und ich möchte Sie alle bitten, dass Sie Ihre Kopien ebenfalls verbrennen.

Schwanenfeder: (schockiert) Aber warum, Herr Goethe?

Goethe: So schmerzlich es ist, aber ich bin zur Überzeugung gelangt, mein Faust ist ein alberner Fehlgriff. Für alles, was ich je geschrieben und noch schreiben werde, habe ich nichts als Verachtung, tiefe Abscheu. Alles, was entstand, empfinde ich als Schande. Mich ekelt vor meinen Machwerken. Ich werde nichts mehr schreiben, nie mehr!

Schwanenfeder: (äußerst betroffen) Herr Goethe!

Goethe: Zuerst wollte ich mich töten, ganz in romantischer Manier, die so beliebt in Deutschland seit meinem Werther. Fand aber in den bauschigen Falten meines Mantels die Pistole nicht. Aber nein, dachte ich, ich werde mein Leben nicht beenden, ich werde es verändern, komplett umkrempeln. Ich werde in der Lüneburger Heide Schnucken hüten und mir zur Seite Barzel mein treuer Hund. (kleine Pause) Andererseits sehe ich mich auch als Wanderer für die Wahrheit durch pittoreske Landschaften wandeln. Sehe mich meist von hinten auf einem Vorgebirge stehend und blicke in ein Meer von goldenen Wolken. Über mir der Schrei eines Adlers. (wie zu sich selbst) Keine leichte Entscheidung, meine Freunde.

Schwanenfeder: Aber warum?

Fortsetzung folgt

Curry, Senf und Ketchup (Krimi)

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Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 10)

Nietzsche: Aber ja doch, eine Frau. Wie war doch noch gleich der Name, mein Mädchen?

Droste: (beginnt zu schluchzen, ab hier weibliche Stimme) Annette. (noch leiser) von Droste-Hülshoff.

Nietzsche: Dann würde ich Annette v. Droste-Hülshoff empfehlen zu ihrem Putz und ihrer Häkelei zurückzukehren, zur Puderquaste und gepressten Blümchen, zu ihrem Gatten, wenn sie glücklich genug ist einen zu haben bei dem Zinken, den Pferdezähnen und den eingefallenen Wangen. Und das Schreiben überlässt sie besser denen von uns, die was von der Kunst verstehen und von der Welt.

Droste: (weint leise und hilflos)

Schwanenfeder: Ich muss deutlich widersprechen, Herr Nietzsche. Die Frauen von heut …

Nietzsche: (ungeduldig) Ach was, wir haben reichlich Zeit vergeudet mit diesem elenden Thema. Ich will endlich über meinen Zarathustra sprechen.

Schwanenfeder: (gibt nach) Nun gut, es ist schon spät. Wenn Sie keinen Einwand haben, Herr Droste, öhm, Frau v. Droste-Hülshoff?

Droste: (herzerweichendes Schluchzen) Aber Friedrich, du hast gesagt. Wir wollten. Du und ich nach Venedig und über das Dasein tänzeln. Deines Vaters Ring und die Nase deiner Mutter. (Sie zieht die Nase hoch) Aber machen Sie nur Frau Schwanenfeder.

Schwanenfeder: Gut, sehr gut. (Sie blättert in ihren Unterlagen) Nun Herr Nietzsche, für den Anfang nur zwei, drei Punkte.

Heine: (fährt plötzlich dreimal hoch und deklamiert laut) Ein Fräulein stand am Meere. (Er schnarcht wieder) Wenn der Mond beginnt seinen Strahlenlauf (Er schnarcht) Im traurigen Monat November war’s. (Er schlummert weiter)

Schwanenfeder: Ja, Herr Heine? (Pause) Herr Heine!

Heine: (aufgewacht) Wer ist der Harlequin?

Schwanenfeder: Möchten Sie etwas über Herrn Nietzsches Zarathustra sagen?

Heine: (kommt zu sich, vom Laudanum milde gestimmt und ungewöhnlich freundlich) Ja, sein Zarathustra. Na ja, nicht unbedingt meine Welt, das wohl nicht. Aber Nietzsches Werk ist eine Offenbarung, in dem Sinne, dass plötzlich, mit unsäglicher Sicherheit und Feinheit, etwas sichtbar, hörbar wird, etwas, das einen im Tiefsten erschüttert und umwirft, beschreibt einfach den Tatbestand. Es gibt keine Weisheit, keine Seelen-Erforschung, keine Kunst zu reden vor Zarathustra: das Nächste, das Alltäglichste redet hier von unerhörten Dingen. Die Sentenz vor Leidenschaft zitternd; die Beredsamkeit Musik geworden; Blitze vorausgeschleudert nach bisher unerratenen Zukünften. Die mächtigste Kraft zum Gleichnis, die bisher da war, ist arm und Spielerei gegen die Rückkehr der Sprache zur Natur der Bildlichkeit. Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen, Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt. Also spricht Heinrich Heine, ein Hoch auf den Zarathustra und seinen Propheten, öhm seinen Schöpfer. Gut gemacht Herr Prophet, ich meine Nietzsche, sehr gut mein Freund. (Er gähnt)

Schwanenfeder: Sehr wohlwollende Worte, Herr Heine.

Nietzsche: Ach was, gönnerhaft, herablassend und gespickt mit versteckten Beleidigungen. Fragen Sie jemand anderes.

Schwanenfeder: Ja natürlich. Herr Droste, Frau v. Droste Hülshoff, Ihre Meinung zu Herrn Nietzsches Zarathustra.

Droste: Ich, ich… (versucht zu sprechen, beginnt zu schluchzen)

Grimm: Frau v. Droste-Hülshoff, meine Liebe.

Droste: (sie weint weiter)

Nietzsche: Keine Sorge. Frauenprobleme, die Zeit des Monats blah, blah, blah! Sie erwähnte es in der Kaffeepause.

Grimm: Hat sie? Hat sie?

Schwanenfeder: Verstehe. Gut, Herr Goethe würden Sie bitte?

Goethe: Nein!

Schwanenfeder: Aha, in dem Fall, Herr Grimm?

Grimm: Danke schön. (Pause) Tja, Nietzsches Zarathustra. Will mal so sagen, so sagen, ich fand Herrn Nietzsches Zarathustra bezaubernd. Ja, ganz köstlich. Burlesk, ulkig, schnurrig, richtig süß, richtig süß. Sie haben eine seltene Gabe, Herr Nietzsche.

Nietzsche: (erschüttert und empört) Wie, was, das ist Ihre Meinung?

Grimm: Ja, Herr Nietzsche. Absolut super. Etwas für die ganze Familie, ganze Familie. Ja, wir haben es vorgelesen, ich und meine liebe Frau für die Kinder, für die Kinder. Solch ein gesunder Atem verglichen mit all der Abgefucktheit und dem Zynismus, Zynismus unserer Zeit.

Nietzsche: (wütend) Mir das, das mir!

Grimm: Es ist ein Soufflé, zergeht auf der Zunge, nicht befrachtet mit gewichtigen Ideen oder Theorien, voller göttlicher Absurditäten und verbaler Purzelbäume, Purzelbäume.

Nietzsche: (wütend) Grimm, welche ein blühender Blödsinn. Mein Zarathustra gegen alles gehalten, Dante, Shakespeare, Aristoteles sind nicht einmal würdig, die Schuhsohlen eines Zarathustras zu küssen. Man rechne den Geist und die Güte aller großen Seelen in Eins: alle zusammen wären nicht im Stande, eine Rede Zarathustras hervorzubringen. Die Leiter ist ungeheuer, auf der er auf- und niedersteigt; er hat weiter gesehn, weiter gewollt, weiter gekonnt, als irgend ein Mensch. Er widerspricht mit jedem Wort, dieser jasagendste aller Geister; in ihm sind alle Gegensätze zu einer neuen Einheit gebunden. Die höchsten und die untersten Kräfte der menschlichen Natur, das Süßeste, Leichtfertigste und Furchtbarste strömt aus einem Born mit unsterblicher Sicherheit hervor.

Grimm: Und welch intelligenten Kalauer.

Nietzsche: (außer sich) Kalauer! Kalauer! Grimm, Grimm ich fordere Sie…

Fortsetzung folgt

Curry, Senf und Ketchup (Krimi)

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Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 9)

(Droste und Nietzsche kommen munter plaudernd herein)

Schwanenfeder: Ah, da sind Sie. Herr Droste, Herr Nietzsche - wir machen nun weiter.

Nietzsche: (gedämpft) Setz dich hierher, hier an meine Seite.

Droste: (leise) Für immer, Friedrich. Lass‘ meine Hand nicht los.

Nietzsche: (flüsternd) Natürlich nicht. Nimmer mehr, teure Annette, denn unser Weg ist noch lang, der uns zu uns führt, vorbei an unseren sieben Teufeln.

Droste: (seufzt verliebt)

Nietzsche: Und über einen Finger an dieser schmalen Hand werde ich bald, wenn ich darf, einen Ring streifen - den von meiner Mutter.

Droste: Oh Friedrich, wirklich?

Nietzsche: Mein Vater reichte ihn meiner Mutter am Tag ihrer Verlobung. Nahm ihn ihr jedoch wieder ab, als er herausfand, dass sie es mit Grabbe trieb, der schweißfüßigen Kakerlake. Mit dem Rasiermesser hat er ihr die Nasenspitze abgeschnitten, die traditionelle Strafe in der Gegend von Röcken für solche Schandtaten. Den Ring mit seinem Rubin und den blassen Saphiren habe ich auf allen Reisen dabei. Auch die Nasenspitze steckt irgendwo, eingelegt in einem Gläschen mit Alkohol. Taucht von Zeit zu Zeit auf.

Droste: Welch romantische Geschichte. Er muss sie sehr geliebt haben.

Nietzsche: Wir Nietzsches tun alles sehr viel, meine Liebe, du wirst es erleben.

Schwanenfeder: Auf Ihre Plätze bitte, Herr Goethe, Herr Heine, Herr Grimm.

(Sie nehmen Platz, während Frau Schwanenfeder mit ihren Papieren raschelt.)

Schwanenfeder: Wir kommen jetzt zu Herrn Drostes Novelle „Die Judenbuche“.

Droste: (spricht wieder mit verstellter Stimme, männlich tief) Ja, Frau Schwanenfeder.

Schwanenfeder: Nun, damit werden wir uns wohl nicht allzu lange aufhalten. Es ist eindeutig das Werk eines Amateurs, ja, ich gebe es zu, durchaus mit einigem Talent. Ein paar Tipps. Etwas mehr, wie soll ich sagen, Durcheinander oder Verwirrung wäre willkommen, Herr Droste. Geben Sie dem Leser ein paar Nüsse zu knacken. Wer hat denn gesagt, dass Belletristik reines Vergnügen sei? Nein, sie ist Arbeit - oft harte, brotlose Arbeit.

Droste: Ja, wirklich?

Schwanenfeder: Und wenn Ihre Figuren sprechen, Herr Droste, dann sollten sie, denke ich, reden wie ihnen das Maul gewachsen ist, schimpfen und fluchen, besonders Ihr grobes und rohes Landvolk. Schmutzige Wörter sind in ihren Schnauzen so natürlich wie die Scheiße an ihren Stiefeln oder der Dreck unter ihren Fingernägeln.

Droste: (verstimmt) Frau Schwanenfeder!

Schwanenfeder: Nur keine Sorge. Ich habe Stellen im Text markiert, wo solche Sachen leicht eingefügt werden können und im Internet finden Sie eine alphabetische Liste mit Ausdrücken aus der Fäkalsprache, die Sie sicherlich nützlich finden werden. Und nun Herr Heine, was halten Sie von Herrn Drostes Novelle?

Heine: (Vom Laudanum eingeschlafen, schnarcht er unregelmäßig)

Schwanenfeder: Herr Heine?

Heine: (Er schnarcht weiter, schnarcht lauter)

Schwanenfeder: (ärgerlich) Später vielleicht. Herr Goethe, Ihre Bemerkungen zur „Judenbuche“ bitte.

Goethe: Nein!

Schwanenfeder: Nein? Ja danke. Und Sie Herr Grimm?

Grimm: Es ist ein außergewöhnliches Werk, hohe Literartur, hohe Literatur. So lebensklug und kühn in der Thematik. Und das von diesem Milchgesicht mit seinem hohen Stimmchen, Stimmchen.

Droste: (mit leiser Stimme) Danke, danke schön.

Grimm: Äußerst vielversprechend. Bewundere den Stil, den Stil, liebe die Erzählweise, schätze die Zeichnung der Figuren. Ein Triumph mein Lieber. Mein aufrichtiger Glückwunsch, Glückwunsch.

Droste: (wieder mit leiser Stimme) Nochmals vielen Dank.

Schwanenfeder: Und Sie Herr Nietzsche, was ist Ihnen eingefallen?

Nietzsche: Ja. (Pause) „Die Judenbuche“ ist allerdings eine bemerkenswerte Novelle, das Schlechteste nämlich, was ich je gelesen habe und ich bete, ich Nietzsche bete, niemals wieder so etwas lesen zu müssen.

Droste: (schockiert) Friedrich!

Nietzsche: Scheinheilig, prätentiös, falsch und überall schräg und schrill. Die weiblichen Figuren grob wie Laubsägearbeiten, die männlichen Figuren völlig unglaubwürdig. Seicht, äußerst seicht die Botschaft, konfuser Stil, die Handlung an den Haaren herbeigezogen, naiv und idiotisch die sozio-politische Tendenz des Machwerks.

Droste: (tief verstört) Nein, Friedrich!

Nietzsche: Ein schauderhafter Mischmasch ohne Logik, hoffnungslos und weibisch. So kann nur eine Frau schreiben, so ohne Stil, so kunterbunt dahingekleckert ohne Sinn und Verstand.

Schwanenfeder: Eine Frau? Herr Droste eine Frau? Ich hab’s doch gewusst, dass etwas nicht stimmt.

Fortsetzung folgt

Die letzte Lektion (Krimi)

Lehrer werden in die ewigen Ferien geschickt.

Ein Krimi mit Humor. Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden. Und wer hätte nicht einen Pauker im Keller seiner grausamsten Fantasien?

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Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 8)

Heine: (beendet ein Gedicht mit Begeisterung) „Trägt nach einem Schal Verlangen / Deine Frau, so kauf‘ ihr zwei; / Kauf‘ ihr Spitzen, gold’ne Spangen, / Und Juwelen noch dabei.

Grimm: Exzellent, exzellent! (applaudiert kurz) Ihr Gedicht über die Frauen verrät den Kenner. Würden Sie veröffentlicht, Sie würden als Sensation einschlagen. (Pause) Noch ein Tässchen Tee, Tässchen Tee?

Heine: Nein, vielen Dank, Grimm. (Er zieht etwas aus seiner Tasche.) Aber vielleicht möchten Sie ein bisschen davon?

Grimm: Was ist es?

Heine: Ich bin mir nicht sicher. Eine Tinktur gegen allerlei. Trakl hat sie mir zum Probieren gegeben. Ist eine Art von mildem Lockerungsmittel. Er meinte, er könne es gar nicht genug loben. Er nennt es „Honigtau“. Oder „Paradiesmilch“. Ist auch gut gegen Durchfall. 

Grimm: Nicht für mich, für mich, danke schön Herr Heine. Ich bin zufrieden.

Heine: Ach, ich nehm ein Tröpfchen. Das Leben ist doch ein Elend, wenn die Welt ihre Augen schließt vor unserer Größe. Alles erinnert mich an meine Fehlschläge, Grimm, ganz besonders dieser Workshop. Und dennoch, du weißt, dass ich mal geschrieben habe: „Liebe dein Schicksal!“. Ja, ich will ein wenig an dieser Tinktur nippen.

(Er trinkt etwas)

(Wir sind jetzt bei Frau Schwanenfeder und Herrn Goethe)

Schwanenfeder: Dann vielleicht etwas Schwarzwälderkirschtorte?

Goethe: Nein, danke!

Schwanenfeder: Nein? Nun gut, ich denke wir sollten mal weitermachen (Sie schaut sich um, dann lauter) Sind alle da? Wo ist Herr Nietzsche? Und Herr Droste?

Grimm: Sind vor ein paar Minuten rausspaziert. Um sich den Sonnenuntergang über der Pader anzuschaun, sagten sie, glaube ich. Hand in Hand, wenn ich mich recht erinnere, Hand in Hand.

Schwanenfeder: Wirklich, Herr Grimm? Herr Droste ist solch ein exzentrischer junger Mann. Herr Nietzsche ist kauzig auf seine Weise.

Heine: Nietzsche ist ein ätzendes Monster, eine Schlange, nein, wie ein Adler mit einem Giftschnabel. Aber keine Sorge, bin mit von Papen fertig geworden und so werde ich auch dem philosophierenden Hammer beikommen.

Schwanenfeder: Und doch ist er eine faszinierende Figur, Herr Heine, und ein echter Romantiker.

Heine: (Ein bisschen wild, das Laudanum wirkt) Romantiker? Nietzsche? Mit seinem scharfen Scheitel und gewachstem Schnurrbart? Nietzsche, der über die Romantiker sagt, sie drohten am „Wiederkäuen sittlicher und religiöser Absurditäten zu ersticken“? Der Riesenschnauzer ein Romantiker? Ich, ein Impulswesen wie ein Schmetterling oder wie eine beseelte Wolke, ich bin ein Romantiker, Freund des Mondes, Bruder des Regentropfens, Cousin des Wasserfalls. (Er gähnt.) Weißt du, Grimm, ich nehme noch einen Tropfen von Trakls Tinktur. Willst du wirklich nicht?

Grimm: Nein, besten Dank, mein Freund. Ich bin ganz zufrieden mit meinem Tee und dem Streuselkuchen, dem Streuselkuchen. Vielleicht ein Löffel Honig in den Tee.

Heine: (Gähnt ausgelassen) Ich mach das Fläschchen dann leer.

Fortsetzung folgt

Die letzte Lektion (Krimi)

Lehrer werden in die ewigen Ferien geschickt.

Ein Krimi mit Humor. Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden. Und wer hätte nicht einen Pauker im Keller seiner grausamsten Fantasien?

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Elfmeter (ein Duell)

Das hatte jetzt alles keine Bedeutung für ihn: die Blicke seiner Mannschaftskameraden im Nacken, das silbrige Rechteck, der Flieger am Nachthimmel über dem Tribünendach, die Anfeuerungsrufe, das anschwellende Buhen der Gegner, die gähnende Hitze in der Stadionschüssel und auch nicht die Gestalt dort im Tor. Nun palaverten die Reporter über den langen Weg, doch kurz war der Weg vom Mittelkreis bis zum Elfmeterpunkt. Ihr fiebert im Wahn, ihr da oben und ihr Millionen vor den Fernsehschirmen. Alle meinen dieser Gang sei etwas Besonderes. Aber er spulte doch nur dieses Programm ab, alles war komplett automatisiert. Die fürchterlichen Möglichkeiten existieren nur in euren Köpfen. Nicht in meinem. Dichtmachen, überhaupt nichts mehr mitbekommen, egal ob sie anfeuern oder ausbuhen. Auch nicht die Faxen des Torhüters. Mach du nur deinen Hampelmann auf der Torlinie. Er marschierte mit leichten Schritten und erhobenem Kopf. Sein Mund war trocken nach dem Spiel und elf Strafstößen. Er saugte Spucke tief aus der Kehle. Dieser eine Schuss wog mehr als sämtliche Schüsse zuvor. Sieg oder Niederlage. Er merkte gar nicht, dass er weiterging, war überrascht, ungläubig. Die Beine taten ihre Schuldigkeit, seine Gedanken zurück in die Kindheit. Elfmeterschießen. Kein Blick zu seinem Vater am Spielfeldrand und doch hörte er ihn: Verantwortung übernehmen. Wenn nicht du, wer dann? Deswegen hatte er geschossen, wie er in wenigen Sekunden schießen würde. Mit seiner Rechten verscheuchte er eine Mücke. Es gab Menschen, die dachten Fußball sei eine Frage von Leben und Tod. War in Wirklichkeit natürlich wichtiger. 

Gelassen, ruhig durchatmend, sprang er in eine leichte Grätsche, schwang beide Arme seitlich hoch und klatschte über dem Kopf in die Hände. Nur locker bleiben. Zwei von Fünfen hatte er schon gehalten. Nun den dritten und die Sache war gebongt. Verlieren konnte er nicht, nicht beim Elfmeterschießen. Kenner und Fußballkäuze meinten der Torwart stecke dabei im dicksten Schlamassel. Tat er nicht. „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, gab es die wirklich? Der Schütze hatte Angst, nicht der Tormann. Schulde ihm einen Teil meines Ansehens, dem arglosen Schreiberling. Kennt ja nur den kleinen Applaus von Gehemmten. Weiß nichts vom Glücksgefühl, wenn nach dem gelungenen Sprung in die Ecke das Stadion überschäumt. Wenn er den Ball aus dem Winkel fischte, war er der Held, und Held war er selbst dann, wenn der Schütze den Ball in die Wolken wuchtete. Er konnte sogar in die falsche Ecke hechten und wurde noch immer nicht als Versager beschimpft in diesem ungleichen Zweikampf. Eigentlich flog der Ball viel zu schnell fürs menschliche Reaktionsvermögen. Seinen Flug zu stoppen, bevor das hilfreiche Netz ihm die Aufgabe abnahm, war nicht nur eine Anomalie, sondern eine ganz normale Unwahrscheinlichkeit. Wie die Liebe! He, ihr da oben im Oberstübchen, Ruhe jetzt, hört auf zu zwitschern. Da schleppt er sich zum Elfmeterpunkt, wedelt er sich auch noch Luft zu. Sie hatten keine Chance, hatten schon mit der Reihenfolge der Schützen einen Fehler gemacht.

Dort war auch schon der Punkt, nicht mehr weiß und rund, nur noch ein dreckiger Fleck nach elf Schüssen. Der Torhüter schlug klatschend die Hände zusammen. Nein, das Tor war nicht klein, es war groß, klein war der Torwart, nicht groß. Er blickte dem Faxenmacher in die Augen und empfand leichten Schwindel. Die Masse auf der Tribüne verlaufende Farbe. Er blickte zurück. Da hinten standen sie in einer Reihe, Arme über Schultern. Es ging um Millionen für ihn und für die dahinten. Und es ging um sein Land. Um die Ehre, jetzt nur nicht laut lachen. Nein, jetzt geht es um mich, um Treffen oder Verschießen, um Sieg oder Niederlage, du oder ich. Er musste treffen, Heike saß auf der Tribüne mit seinem Sohn. Er nahm den Ball, drückte ihn gegen seine Brust und legte ihn in die Mitte des dreckigen Flecks. Nein, zu tief, will nicht in die Erde hacken. Er rückte den Ball einen Zentimeter nach rechts. Ja, liegt nun ideal. Moment, die flache Stelle ist besser. Wieder bückte er sich und legte den Ball nun auf den vorderen Rand des Elfmeterpunktes. Bescheuerter Schiedsrichter, rollte mit seinem rüden Stiefel den Ball einfach zurück, ohne sich weiter um seine Lage zu kümmern. Also noch mal. Abermals legte er den Ball auf die plane Stelle und streichelte ihn zum vierten Mal, nur verstohlener. Immer sachte, dann klappt’s. Schon wieder sein Vater.

Er warf die Flasche in die Ecke des Tors und federte aus den Knien heraus hoch über die Latte greifend. Und nun noch mal das Video. Auf einem Bildschirm hinter seinen Augen sah er den Spieler anlaufen. Der Fuß des Standbeins zeigte in die linke Ecke. Und noch einmal. Dieses Mal zeigt der Fuß des Spielers in die rechte Ecke und schon ist er dort. Egal was dem da im Leben sonst noch zustoßen mochte, dieses Bild wird sich einbrennen, wie ich hier stehe, breitbeinig und grinsend, dieses immer fetter werdende X, das fast schon das ganze Tor ausfüllt. Immer wird er sich an meine Augen erinnern und an die blitzenden Pfosten, die ich schon fast greifen kann. Und an das schwarze Netz wird er sich erinnern, vielleicht sogar an die wilden Worte seines Trainers. Das sei doch keine Trauerveranstaltung, welcher Idiot von einem Funktionär auf die Idee gekommen sei, schwarze Netze hinter die Tore zu hängen. Und nun bin ich die behände Spinne, die ihr undurchlässiges Netz zwischen die beiden Pfosten gespannt hat, unsichtbar. Da, er hat es erspäht. Nur ganz oben rechts im Winkel habe ich ihm eine Lücke gelassen. Mein Angebot. Wo wäre sonst der Spaß?

Immer wird er sich an meine Riesenhände erinnern und die roten Schuhe und die Blutschramme auf meiner Wange und an das Tosen danach. Er begreift meine Ruhe nicht. Ja wie auch! Wie könnte der Versager ahnen, dass ich seinen künftigen Albtraum kenne?

So, sachte und ruhig. Nun ganz entspannt, noch ein Blick in den rechten Winkel und einen in die linke untere Ecke. Dann gemächlich umdrehen. Hoeness, lass mich in Ruh! Nicht an die Zukunft denken. Ich weiß, ich weiß, wenn ich ihn schlimmer vermurkse als du 1976, dann brauchst du dich nie mehr zu schämen. Meine Schande wird alles Frühere überdecken mit tausend gestochen scharfen Bildern. Was sind dagegen die ewig wiederkehrenden aus jener verwischten Zeit? Knallte einer von uns mal wieder so einen Auf-Leben-und-Tod-Ball in die internationalen Wolken, wurde die Wunde Hoeness erneut aufgerissen. Niemals geben sie Ruhe. Mit aller Macht drängte sich ihm das Wort „Wolkenkratzer“ auf, Fragment der morgigen Schlagzeile in der blöden Zeitung. Schon wieder die Stimme seines Vaters: Denk dran, bevor du anläufst, konzentriert auf den Boden schauen und zählen: 21, 22, 23… Und die Krankenhauseinlieferungen stiegen um 27 Prozent. Mit Herzinfarkten war zu rechnen, unter den Männern. Frauen reagierten gelassener.

Noch fünf Sekunden. Jetzt Spannung aufbauen für den Sprung. Auf die Fußstellung seines Standbeins beim Schuss achten. Die Stellung des Fußes verriet die Schussrichtung, war alles nur eine Frage der Wahrnehmung. Anschließend auf die Knie fallen und die Hände zum Himmel. Dank, Erlösung! Der Rest wird Geschichte und Legende. Erhaben, einsam, unbeteiligt, so schreitet der Held des Fußballtors durch die Straßen, verfolgt von hingerissenen kleinen Jungs. Die andern sind Team, sind Kollektiv. Die Eins ist Gegenstand verzückter Verehrung. Mein Trikot, meine Baseballmütze, die Handschuhe, die aus der Gesäßtasche meiner kurzen Hose schauen, heben mich von der übrigen Mannschaft ab. Ich bin der Einsame, der Geheimnisvolle, der letzte Verteidiger.

Kurzer oder langer Anlauf, das war die Frage. Vorher schauen sie sich immer Videos an. Achten auf jede Bewegung, in welche Ecke wir schießen. Kennen jede Geste besser als man selbst. Wenn ich alles so mache wie üblich, springt er in meine todsichere Ecke. Aber da liegt der Hase im Pfeffer. Er wird vermuten, dass ich alles genauso wie immer mache und in meine ungeliebte springen, weil er mir unterstellt, dass ich weiß, dass er weiß. Nee, nee, mein Freund, den Gefallen tu ich dir aber nicht, ich schieße in meine todsichere, weil du meinst, ich würde in die andere schießen. Doch wenn er nun meint, ich würde in meine Lieblingsecke schießen, weil ich ihm unterstelle, dass er mir unterstellt, ich würde in meine ungeliebte Ecke schießen. Moment mal, wer unterstellt jetzt wem was?

Er dreht sich um, hat den langen Anlauf gewählt. Schießt also mit dem Hammer. Oder er hält auf halbem Wege inne, hoffend ich würde schon springen. Dann schiebt er den Ball aufreizend langsam in die freie Ecke. Nicht mit mir, mein Freund. Habe das Märchen unter die Medien gestreut, würde mir jeden Elfer eine Million mal auf Video ansehen. Haben sie gern, haben was zu dichten, die Idioten. Und verunsichert die Schützen. Ich springe erst, wenn der Fuß deines Standbeins mir die Richtung des Balles erzählt. Auf den geschossenen Ball reagieren geht nicht. Der ist in 51 Millisekunden hier, so schnell springt kein Mensch. Aber das Standbein und die Stellung der Hüfte verraten mir die Flugbahn. Worauf wartet der noch, los lass gehn!

Wie schießen? Mit der Seite schieben oder den Torwart mit ins Netz ballern. Wie Messi gestern gegen Italien. Täuschte an und verheimlichte, wohin er seinen Siegesstoß senden würde. Wickelte seinen Fuß im letzten Moment um den Ball. Der Torhüter als dummer Junge in der falschen Ecke. Wie käme das an? Mit einem Trippelschritt den Anlauf verzögern. Der nasse Sack da plumpst auf die Linie und ich tippe den Ball ganz beiläufig mit der Fußspitze an, dass er in die leere Ecke hoppelt, in die mit groteskem Krabbeln der Kerl vergeblich zu kommen sucht. Wie sie meine Kaltschnäuzigkeit preisen werden.

Aha, er trippelt sich locker auf der Stelle. Gleich wird er zum Helden, aber zum tragischen. Ist ja eigentlich von Vorteil den Ball ordentlich zu versemmeln. Die Elfmeter-Versager sind es, Hoeness, Baggio, Beckham, die erinnert werden, viel mehr als die erfolgreichen Schützen. Also mach’ dir einen Namen, treib die Pille übers Tribünendach. Damit schlägst du dauerhaft in die Zuschauerköpfe ein.

Vor zwei Jahren gebrochen und jetzt war er wieder kalt und taub, verfluchter Zeh. Egal! Ein Schlenzer halb hoch in die Ecke gesetzt, dicht an den Pfosten. Da kommt er nicht dran. Mache das wie nach dem Lehrbuch, entscheide nicht im letzten Moment, sondern jetzt.

Er lächelte. Dem zweiten Schützen hatte er zugeraunt, komm lass uns wetten. Ich setze meinen BMW. Was hältst du dagegen? Um den Mund herum hatten bei dem spöttische Falten gezwitschert, aber die Pupillen waren blass geworden vor Angst.

Kam jetzt nur auf die Härte des Schusses an. Wie lange kann ich eigentlich warten, bevor mich der Schiedsrichter ermahnt? Ich warte, bis der einen Krampf kriegt in seiner Lauerstellung. Aber je mehr Wucht ich in den Schuss lege, desto schwieriger ist die exakte Platzierung. Ein ehernes Gesetz des Fußballs. Und meinem Sohn flattert nach einem Vierteljahrhundert noch die Erinnerung in den Schoß. Niemals gaben sie Ruhe.

Dann war es still. Nur sein Herz schlug noch im Ohr. Niemals werden sie vergessen, wie ich den Ball, schon geschlagen, mit den Füßen aus dem Tor trete. Habe mich zwar in die falsche Ecke schicken lassen, doch mit dem Geschickten ist das Glück. Auf!

Die Hauruckmethode war absolut sicher. Nur keine Rückenlage und Flugzeug vom Himmel holen. Sein Sohn sollte es mal erzählen können: Vater, Elfmeter, Tor.

Den vierten Schützen hatte er gefragt, hast du schon mal auf eine Bananenschale getreten? Das Gesicht! Siehst du denn nicht all die Bananenschalen, die um den Punkt herumlungern und dir zugrinsen?

Nicht länger konnte er der Stille standhalten, warf seinen Oberkörper nach vorn und auch die Beine folgten, waren ganz leicht jetzt, ging alles ganz schnell jetzt. Nun endlich Leere da oben.

Er läuft an. Die Stellung des Fußes, der Hüfte. Ach was, noch einen Schritt, dann fliege ich in meine Lieblingsecke.

Warum springt er denn nicht. Spring endlich! Mach die Ecke frei! Dann knackender Schmerz im Knöchel des Standbeins. Und doch! Schnurstracks wie am Schmerzpfeil entlang fliegt der Ball in die angewiesene Richtung. Der Ball, die Latte, die Linie…

Da kommt der Ball, ist schon da. Wenn nur die Schwerkraft nicht wäre. Scheiße, zu hoch, viel zu hoch, so was hältst du nur mit der freundlichen Unterstützung des Schicksals - der Latte.

„Tor!“, brüllte er. Und noch zweimal: „Tor!, Tor!“

Alle Zuschauer hatten die Hände ganz oben im Himmel, aber nur die eine Hälfte jubelte: „Tor! Tor!“ Der Torhüter schüttelte den Kopf, schaute zum Schiedsrichter und sagte: „Linie!“ Und irgendwo fragte ein Reporter leise: „Hat das denn nie ein Ende?“

Curry, Senf und Ketchup (Krimi)

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Ein Universitätsprofessor wird ermordet, ein Neonazi und eine Politikerin. Was verbindet die drei? Und ein Fußballtrainer wird verdächtigt.

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Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 7)

(Geräusch von gluckernder Flüssigkeit)

Droste: Eigentlich nicht, Friedrich, doch dank ich dir.

Nietzsche: Nicht? Aber für mich, ist doch recht? (Schüttet den Schnaps runter mit einem Schluck) Ah, Labsal! Aber nimm doch ein Schlückchen, meine Liebe. Bitte! Solch ein Angebot abzulehnen könnte ich als Beleidigung auffassen. Du trittst meine Großzügigkeit in den Dreck.

Droste: Ach nein.

Nietzsche: Komm, wir heben die Gläser, öhm, die Tassen auf deine Leistung, deine „Judenbuche“.

Droste: In dem Fall, aber nur ein Tröpfchen.

Nietzsche: Gut!

(ein kurzes Plätschern und ein längeres)

Nietzsche: Auf „Die Judenbuche“.

Droste: Auf „Die Judenbuche“.

(Sie trinken. Droste schnappt laut nach Luft, ist kaum in der Lage zu sprechen)

Droste: Köstlich.

Nietzsche: Bist du verheiratet, Annette?

Droste: (noch immer dabei sich vom Schnaps zu erholen) Nein.

Nietzsche: Ausgezeichnet. Hast also den Eheknoten vermieden? Die Eheschlinge, die das Verlangen erdrosselt und den schönen Augenblick tötet. Auch ich bin unverheiratet – nun …

Droste: Nun ja, ich lebe allerdings mit einem Mann zusammen. (Pause) In Sünde sozusagen.

Nietzsche: Wirklich?

Droste: Nicht wirklich in Sünde um ehrlich zu sein. Levin Schücking ist ein guter Mann, aber zum wechselseitigen Gebrauch der Geschlechtsorgane ist es noch nie gekommen. Grüße am Morgen - natürlich, Händeschütteln zur Nacht, liebevolle Blicke an Geburtstagen, leidenschaftliche Diskussionen über soziale Probleme, nicht mehr. So wollen wir das, oder zumindest will er es so.

Nietzsche: Ach nein, so eine anziehende Frau mit überragendem Geist und solch bezaubernden Locken. Welcher Mann kann dir widerstehen? Genie mit Intelligenz und Verlockung gepaart, was sonst könnte man sich wünschen?

Droste: (sehr geschmeichelt) Genie, Intelligenz und Verlockung, Herr Nietzsche, Friedrich!

Nietzsche: Warst du schon mal in Italien? Zum Beispiel in der Nähe von Portofino - dort, wo die Bucht von Genua ihre Melodie zu Ende singt?

Droste: Nein, leider nicht. Habe Deutschland noch nicht verlassen, wohl habe ich eine Menge von Ostwestfalen gesehen und den Bodensee kenne ich ganz gut. Ich schätze, mein Leben war recht beschränkt bisher.

Nietzsche: Aber hast du dich nie nach dem Süden gesehnt? Nach Venedig, wo jüngst ich in brauner Nacht an der Brücke stand. Fernher kam Gesang: goldener Tropfen quoll’s über die zitternde Fläche weg. Gondeln, Lichter, Musik trunken schwamm’s in der Dämmrung hinaus.

Droste: Friedrich, du bist ja ein …

Nietzsche: Ich weiß, ich weiß, der klügste außerdem.

Droste: Ja, ich interessier mich wohl mehr für die Lebensverhältnisse der Landarbeiter im Münsterland - ihrer Kinder Bedürfnis nach Schulbildung und der Weiber bitteren Kampf gegen Hunger und Gewalt.

Nietzsche: Weiber und Kinder und Landarbeiter? Ach was, lass uns Venedig genießen und das Glück des Nachmittags - wenn unsere Augen auf ein weites, flimmerndes Meer blicken, wo Schiffe wie ungeheure Schmetterlinge über die zitternde Haut laufen. Ja! Über das Dasein hinwegtanzen! Das ist es. Das wäre es! (Er seufzt)

Droste: (Begeistert) Wie du das sagst Friedrich, klingt es sehr verlockend.

Nietzsche: Sei verlockt, meine liebe Annette. Komm mit mir nach Italien. Jetzt gleich!

Droste: Das geht nicht, Friedrich. Mir fehlt die Wäsche. Und außerdem gibt es noch Herrn Schücking.

Nietzsche: Dann lass uns zumindest morgen darüber reden. Wenn nicht, wollen wir uns hier mit einem „Lebewohl“ verabschieden. Ich werde im Balthasar zu finden sein. Morgen gibt es Rehrücken zum Mittagessen. Ein bisschen plaudern, nicht mehr. Ich werde dir von boshaften abendlichen Sonnenblicken erzählen, von dieser zarten Meereshaut, an der ich mich gar nicht sattsehen kann: es gab nie zuvor eine solche Bescheidenheit der Wollust wie meine, Annette. Meine Wintereinsamkeit ist vorbei, die Glut in deinen Augen hat mich von mir selbst erlöst - wie ein Gletscher gleite ich den freigewordenen Pfad meines Schicksals hinab. Komm mit mir, meine glühende Mitternachtssonne, die niemals untergeht. Wärme dieses vereiste Herz, schmelze diese eisblauen Augen zu Tränen. Du bist meine Muse und deine bin ich. Mehr erwarte ich nicht, meine unvergleichliche Annette, denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit.

Droste: (sprachlose Überwältigung) Oh, Friedrich!

Nietzsche: Noch einen Schluck Williams Birne?

Droste: Ja, bitte!

(Geräusch von gurgelnder Flüssigkeit, Ausblendung und wir sind wieder bei Grimm und Heine)

Fortsetzung folgt

Die letzte Lektion (Krimi)

Lehrer werden in die ewigen Ferien geschickt.

Ein Krimi mit Humor. Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden. Und wer hätte nicht einen Pauker im Keller seiner grausamsten Fantasien?

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Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 6)

(Seine Stimme wird leiser und wir sind woanders.)

Nietzsche: Ach, Ihr Agent hat Ihnen auch geraten hier her zu kommen?

Droste: Ja, Herr Nietzsche.

Nietzsche: Und, bei wem sind Sie, Herr Droste?

Droste: Roxel und Meersburg in Münster. Und Sie?

Nietzsche: Gersdorf und Burkhard in Basel. (Er trinkt Tea.) Wie sehr gefällt Ihnen mein Zarathustra?

Droste: Überwältigend und erhebend. Mit dem Buch haben Sie der Menschheit das größte Geschenk gemacht. Ihr Zarathustra ist das eigentliche Höhenluft-Buch mit einer Stimme über Jahrtausende hinweg, ein unerschöpflicher Brunnen, in den kein Eimer hinabsteigt, ohne mit Gold und Güte gefüllt heraufzukommen.

Nietzsche: (erfreut) Zu freundlich.

Droste: Noch Tee, Herr Nietzsche?

Nietzsche: Nein danke. Mir gefällt ihre kleine Erzählung. Stark, männlich, kühn, kraftvoll, geradeheraus und konsequent.

Droste: (Erleichtert und erfreut) Meinen Sie wirklich? Herzlichen Dank für die gefälligen Worte. Um ehrlich zu sein Herr Nietzsche, ich habe die „Judenbuche“ vorher noch niemandem gezeigt. War mein gehütetes Geheimnis.

Nietzsche: Ach, was Sie nicht sagen.

Droste: (in nachdenklicher Stimmung) Als Kind habe ich nur heimlich geschrieben. Mein Vater war ein knorriger Westfale und hatte nichts übrig für Schöngeistiges, jedenfalls nichts außer Hohn und Spott. Ein Privatlehrer sollte meinen flattrigen Geist zügeln. Heimlich habe ich aber weitergeschrieben und in einer meiner Erzählungen aus der Zeit habe ich das häusliche Netzwerk von Heuchelei, Schikane und Grausamkeit enthüllt. Den ganzen faulen Kern religiöser Spökenkiekerei, den tausendmal verfluchten religiösen Hokuspokus, inszeniert vom Kapital fürs blöde Volk.

Nietzsche: Ich verstehe, Sie sind Marxist?

Droste: Wie? Marx? Wer soll das sein? Seit kurzem gehe ich viel freier um mit meinem erzählerischen Werk. Allerdings, verblendet wie sie nun mal sind, hat bisher noch kein Verleger Interesse an meinen Romanen gezeigt - nicht an „Franz Mohr“, nicht an „Die Mühle am trocknen Bach“ und auch nicht an „Die Moorleichen“. Doch „Die Judenbuche“ ist solch ein ehrgeiziges Projekt, robuste Themen, derbe Charaktere und bestrickende Handlungsführung - oft habe ich gezweifelt, ob ich der Aufgabe gewachsen wäre. Die Anstrengung hat mir häufig genug die Tränen in die Augen getrieben. Aber nun - solch eine Ermutigung zu bekommen von einem Mann, der dreitausend Meter über den Menschen lebt. Das entschädigt für alle Mühsal. Ich bin äußerst dankbar, Herr Nietzsche.

Nietzsche: Ich heiße Friedrich, bitte nennen Sie mich Friedrich.

Droste: Danke, gern.

Nietzsche: Nun, wie im Oktober, Monat meiner Geburt übrigens, gibt es auch bei mir atmosphärische Turbulenzen. Eben das war so ein Herbststurm, aber es gibt auch Perioden 

mit lauen Lüften und mildem Licht. (Pause) Und ich hoffe, ich darf Sie Ludwig nennen.

Droste: (unüberlegt mit weiblicher Stimme, so spricht sie, bis sie wieder in der Gruppe ist) Mir wär es lieber, Sie würden mich Annette nennen.

Nietzsche: Wie, wie bitte. Annette, das ist ein …, ich verstehe, du bist transsex … Moment, du willst damit sagen, du bist eine Frau.

Droste: (Flüsternd) Ja.

Nietzsche: Ja natürlich, das erklärt die Erscheinung: deine Stimme, deine Kleidung, die Locken - gar nicht zu erwähnen gewisse hevorschwellende Rundungen. Was ich jetzt offenbare, muss aber unter uns bleiben, denn für eine Weile dachte ich daran mich Diotima Salome zu nennen. Ich weiß gar nicht warum. War ein gewaltiger Drang, der mich übermannen wollte, der aus meinen Eingeweiden hervorquoll, aus den gärenden Windungen meiner Gedärme. Du kennst das Gefühl?

Droste: Ludwig Droste ist mein Künstlername, damit niemand bemerkt, dass ich eine Frau bin. Du wirst mein Geheimnis doch nicht preisgeben?

Nietzsche: Kein Wort, ich versprech es. Meine liebe Annette, zwei vom gleichen Geist beseelte, das verlangt nach spiritueller Beflügelung. Hier habe ich ein Fläschchen mit flüssigem Birnengeist. Ist eine Spezialität aus dem Wallis, rein wie die Raserei, hart wie das Schicksal, überraschend wie die Rache. Da, ich fülle deine Tasse.

(Geräusch von gluckernder Flüssigkeit)

Fortsetzung folgt

Die letzte Lektion (Krimi)

Lehrer werden in die ewigen Ferien geschickt.

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Schreibwerkstatt - ein satirisches Hörspiel (Teil 5)

Schwanenfeder: Ein Stück Streuselkuchen, Herr Goethe?

Goethe: (nachdrücklich) Nein, nein danke!

Pause

An einer anderen Stelle

Grimm: Kaffee, Herr Heine? Kaffee?

Heine: Ja, gern.

Grimm: Milch, Milch?

Heine: Nein, danke.

Grimm: Ein hysterischer Kerl, dieser Nietzsche.

Heine: Überschätzt sich und seinen Zarathustra über die Maßen. Dieser gesicht- und gestaltlose Unhold und Flügelmann Zarathustra mit der Rosenkrone des Lachens auf dem Haupt und seinen Tänzerbeinen ist keine Schöpfung, er ist Rhetorik, erregter Wortwitz, gequälte Stimme und zweifelhafte Prophetie, ein Schatten von hilfloser Grandezza, oft rührend und allermeist peinlich - eine an der Grenze des Lächerlichen schwankende Unfigur.

Grimm: Tiefe, Tiefe hat er ja der Deutsche, aber gepaart mit Humor und Leichtigkeit, fast etwas Unmögliches für einen Deutschen, Herr Heine. Zucker?

Heine: Ja bitte, sieben Stücke.

(Zuckerstücke plumpsen in den Kaffee.)

Heine: (schlürfend) Na ja, nicht zu vergleichen mit dem Kaffee, den mir meine Mathilde braut. Sind Sie verheiratet, Grimm?

Grimm: Oh ja, meine Frau Dorothea ist reine Inspiration, ist Halt und Märchenfee für mich. Und wie sie sich um meinen Freund von Platen kümmert, mit welchem Verständnis, nachdem ihm so mitgespielt wurde.

Heine: Vielleicht sogar mit zu viel Verständnis?

Grimm: Aber nein Herr Heine, von Platen ist mir ein warmer Freund, wirklich warmer Freund.

Heine: Sie meinen, er ist?

Grimm: Ja, er ist.

(Sie nehmen jeweils ein Stück Kuchen, trinken und kauen.)

Heine: Welch ein abgestumpfter Haufen hier heute. Ehrlich gesagt, Grimm, ist mir die Gesellschaft von Dichtern herzlich zuwider - sind doch recht eigentlich theatralische, eitle, verstädterte Schnapsnasen. Meinetwegen eine Gruppe von Verlegern, sind immer gut für verwertbare Beobachtungen. Oder eine Spelunke voller Halunken - herrlich, da sind Weisheiten zu holen, kannst du leicht zu einem Versepos verweben. Oder ein einsamer Fichtenbaum auf kahler Höh. Darin steckt eine eigene Philosophie für alle, die schauen können und zuhören und fühlen. Aber Schriftsteller … (er seufzt)

Grimm: Warum sind Sie denn dann überhaupt gekommen, gekommen, Herr Heine?

Heine: Nun ja, ich bin ein wenig beachtetes Genie, Grimm. Mein Agent bestand darauf. Er hofft, dass ich mich „vermarktbar“, seine Worte, mache, was so gar nicht meinem Ethos entspricht.

Grimm: Bei wem sind Sie?

Heine: Mein Agent? Helen Buffo von Humbert und Humbert in Hamburg. Und Sie?

Grimm: Ernst Hackmacher. Er ist bei Knappe und Ritter. Davor war ich bei Theo Redepennig ein liebenswürdiger Mann, aber solch ein Pessimist, solch ein Pessimist.

Heine: Ist Helen auch. Ich meine, ich kann ihre Position verstehen. Sterne und Äuglein und Mondglanz und Sonnenschein, wie sehr das Zeug auch gefalle, sagt sie, würde doch noch lang keine Welt machen.

Grimm: Ich bewundere Ihre „Loreley“, „Loreley“. Haben Sie mehr davon?

Heine: Hunderte von Liedern. Mehr als tausend Sonette allein über spirituelle und geographische Themen.

Grimm: Ah ja. Nietzsche sprach äußerst flegelhaft, äußerst flegelhaft über Ihr Gedicht.

Heine: Ganz richtig. (mit Verachtung in der Stimme) Solche vagabundierenden Gesellen kann ich kaum verknusen. Soll immerzu unterwegs sein der Strolch. Nizza, Venedig, Sils Maria, Turin Portofino. Ich meine, ich habe eine Reihe von Reisebildern verfasst, aber man hat doch ein Zentrum und sagt über die liebe Heimat nicht: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“

Grimm: Das hat er gesagt?

Heine: Trau ich ihm zu, ihm trau ich das zu, einem der sagt: „Deutschland, Deutschland über Alles - ist vielleicht die blödsinnigste Parole, die je gegeben worden ist.“

Grimm: Hat er das auch gesagt? Aber gut gesagt nicht, nicht wahr?

Heine: Hat er und er hat auch gefragt: „Wie viel verdrießliche Schwere, Lahmheit, Feuchtigkeit, Schlafrock, wie viel Bier ist in der deutschen …“ 

(Seine Stimme wird leiser und wir sind woanders.)

Fortsetzung folgt

Die letzte Lektion

Ein Krimi mit Humor. Der Mörder wartet nicht, bis ein Lehrer aufzeigt. Im Nu sind einige Lehrer in die ewigen Ferien verabschiedet worden. Warum gerade Lehrer? Stimmt, Bankmanager hätten es auch getan, aber es sind halt Lehrer geworden. Und wer hätte nicht einen Pauker im Keller seiner grausamsten Fantasien?
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